Gedenkveranstaltung 2016 Bretstein

  • Hans Madl Gedenkrede

Samstag, 18. Juni 2016,  Bretstein, Obersteiermark

Auszug aus der Gedenkrede, Johann Madl:

6 Namen scheinen auf der Überstellungsliste von Häftlingen vom 5. Juni 1943 vom KZ Mauthausen in dieses KZ-Außenlager Bretstein auf.
6 Männer, die Hitler Widerstand leisteten.
6 Männer, die als Kennzeichen einen lila Winkel trugen.

Geistiger Widerstand war die Grundeinstellung der Zeugen Jehovas im NS-Regime. Sie waren die einzige religiöse Gemeinschaft, die konsequent und auf organisierte Weise gegen das nationalsozialistische Regime Stellung bezog und Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen praktizierte. In den Konzentrationslagern bildeten Jehovas Zeugen als einzige Religionsgemeinschaft eine eigenständige Häftlingskategorie und wurden mit einem lila Winkel stigmatisiert.

Das Besondere an ihrer Haft war, dass sie im Gegensatz zu anderen Gefangenen aus dem Gefängnis oder dem Konzentrationslager hätten freikommen können, wenn sie eine „Erklärung“ unterzeichnet hätten, durch die sie ihrem Glauben abschworen.

Sie wollten allerdings ihrer christlichen Überzeugung treu bleiben, was für sie bedeutete, dass sie Hitler nicht die Treue schwören konnten. Das „Heil“ erwarteten sie nicht von Hitler sondern von Christus, weshalb sie den Hitlergruß ablehnten. Und das biblische Gebot „du sollst nicht töten“ verbot ihrem Gewissen, zur Waffe zu greifen und andere zu töten.

Auch heute und in Zukunft wird Mut und Zivilcourage erforderlich sein, um sich nach christlichen Grundsätzen auszurichten. Jehovas Zeugen haben diese nicht nur in der Vergangenheit befolgt, sondern weigern sich auch heute in jedem Teil der Welt an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen oder für eine Seite Partei zu ergreifen.

6 Männer, die hier inhaftiert waren, setzten ein Zeichen für Frieden.
Mögen diese 6 Männer den heutigen 8 Milliarden Menschen ein Vorbild sein.

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In Archiven scheint eine Überstellungsliste von Häftlingen vom KZ Mauthausen in das KZ-Außenlager Bretstein in der Obersteiermark auf. Dort werden sechs Bibelforscher zur Überstellung angeführt. 3 davon sind Österreicher (Hechenblaikner, Linsbauer und Obrist).
Überstellungsliste Konzentrationslager Mauthausen vom 5. Juni 1943: Veränderungsmeldung für den 4. Juni 1943

Abgang: Nach dem Außenkommando Brettstein wurden überstellt:
1. Glamann Konrad, 12.6.1889, Bibelforscher
2. Hechenblaickner Josef, 25.4.1911, Bibelforscher
3. Linsbauer Leopold, 4.10.1905, Bibelforscher
4. Moreno Lopez Miguel, 11.7.1909, Spanier
5. Munoz Rodriguez Manuel, 7.7.1918, Spanier
6. Müller Richard, 5.9.1905, Bibelforscher
7. Obrist Josef, 15.10.1905, Bibelforscher
8. Rampp Konrad, 29.3.1902, Bibelforscher
9. Sanchez Carraso Antonio, 6.2.1919, Spanier
10. Tomas Ortiz Julio, 31.1.1914, Spanier

Fotos: Hans Madl für die Opfergruppe der Zeugen Jehovas, Hermann Beren Obmann KZ-Verein Bretstein, Besucher der Veranstaltung, Gedenktafel, Zeitzeugen Hermine Liska und Max Tschoggl

 

http://www.gedenkstaette-bretstein.at/main.php?lang=de

Bericht: http://www.meinbezirk.at/murtal/lokales/otto-hans-ressler-mahnte-bei-gedenken-in-bretstein-d1775935.html

Von |09. Juni 2016|Veranstaltungen|0 Kommentare

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