Gedenkfeier für Gerencsér Gáborné

  • Grab- und Gedenkstein Gáborné Gerencsér in Andrashida
  • Gedenkfeier in Andrashida für Gáborné Gerencsér
  • Gunvar und Lajos Gerencsér in Andrashida
  • Lajos Gerencsér vor dem Elternhaus in Andrashida

Montag, 25. August 2014 in Ungarn
um 14 Uhr am Friedhof in Andráshida (bei Zalaegerszeg), Gazdasági Straße

Lebensbericht GÁBORNÉ GERENCSÉR – siehe im Anschluss an den ungarischen Text

Zalaegerszeg – Andráshida – Andráshidán nőtt fel a ma már Ausztriában, Eisenbergben élő festőművész, Ludwig Lajos Gerencsér, aki ezen a héten avatott új síremléket édesanyjának, szülőfaluja temetőjében. Nem csak Magyarországról, de Ausztria számos városából is érkeztek vendégek, hogy együtt tisztelegjenek, ahogy ők mondták, Gerencsér mami emléke előtt. Az asszonyt a II. világháború vészterhes időszakában amiatt zártak hosszú évekre börtönbe, mert Jehova Tanúja volt. Az akkor 31 éves nőt az utcán tartóztatták le, amikor tejért indult a boltba. Haza sem engedték elbúcsúzni. Férje és fia sokáig semmit sem tudott róla, végül szabadulása után az akkori Csehszlovákiából gyalog tért haza, Andráshidára. Hite miatt később fiát is börtönbe zárták. A második rabságából az 56-os események szabadították ki, a festőművész ekkor távozott Ausztriába.

Ludwig Lajos Gerencsér festőművész
„Amikor anyámat elvitték Márianosztrára, én maradtam édesapámmal egyedül. Én vagyok egyes gyerek, és apám. Akkor meg apámat is elvitték az oroszok. Anyám se volt, meg apám se, az utcán nevelkedtem 3-4 hétig, a szomszédasszony adott ennivalót. És először apám jött meg, Jánosházán kitört a táborból, 13-at lelőttek és hárman maradtak meg.”

Lebensbericht

Gáborné Gerencsér wurde 1909 in Ungarn geboren. Ihr Mädchenname war Benkö Terezia. Im Jahr 1930 heiratete sie Gábor Gerencsér und zogen in ein neu gebautes Haus in Andráshida.
1933 kam Sohn Lajos zur Welt.
Kurz vor dem Krieg kam sie durch einen Kolporteur der Bibelforscher aus einem Nachbardorf mit ihnen in Kontakt und schloss sich ihnen an. Fortan bestimmte die Bibel ihr Leben.

Verhaftung – Einzelhaft

Eines Morgens im Jahr 1942, als sie gerade ging um Milch zu holen, wurde sie auf der Straße von der Polizei festgenommen und abgeführt. Sie durfte nicht zurück in das Haus um sich von ihrem Mann und ihrem Sohn Lajos zu verabschieden. Lange hatten sie keine Ahnung, was passiert war. Schließlich erfuhren sie, dass Gáborné zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Strafe sollte sie in Mária Nosztra verbüßen, einem Zuchthaus, das dem dortigen Nonnenkloster angeschlossen war. Was sie dort erleiden und ertragen musste, würde Bände füllen.
Zum Beispiel musste sie ein halbes Jahr in Einzelhaft verbringen. Ca. 20 Mal kam sie für jeweils 24 Stunden in Dunkelarrest weil sie ihren Glauben nicht aufgab. Dort gab es nur eine nackte Holzpritsche. Das Essen bestand aus einem Stück Brot und einem Krug Wasser.

Weil Gáborné ihre Standhaftigkeit und Treue zu ihrem Gott nicht aufgab, durfte sie die ganzen 3 Jahre von ihrem Mann Gábor und ihrem Sohn Lajos keinen Brief empfangen und auch nicht an sie schreiben. Im April 1945 geriet ihr Mann in russischer Gefangenschaft und wurde einge Wochen nach Jánosháza, Ungarn, gebracht. Von dort brachen 15 oder 16 aus; 13 wurden auf der Flucht erschossen, Gábor kam durch.

1945, als der 2. Weltkrieg endete, kam Gáborné frei und musste zu Fuß nach Hause gehen. Dort traf sie ihren Mann wieder, der einige Zeit früher nach Hause zurückgekehrt war.  Sie fanden ihr ganzes Haus komplett leer geräumt vor.

Sohn Lajos lebte in diesen Wochen – als die Mutter im KZ war und Vater in russischer Gefangenschaft – hauptsächich auf der Straße in Andráshida. Eine freundliche Nachbarin gab ihm zu Essen und ließ ihn in ihrem Haus schlafen.

Gáborné’s Mann war leider kein Zeuge, doch ihr fester Glaube und gutes Beispiel haben dazu geführt, dass ihr Sohn Lajos den gleichen Weg des Glaubens gewählt hat. In der kommunistischen Ära hat er den Militärdienst verweigert und dem Staat keinen Treueeid geleistet. Er wurde dafür zu insgesamt 14 Jahren Haft verurteilt, kam aber 1956 nach drei Jahren frei.
Gáborné Gerencsér blieb bis zu ihrem Tode im Jahr 2003 eine fleißige Zeugin Jehovas.

Behörden verweigern Gedenktafel

Im vergangenen Jahr bemühte sich Sohn Lajos einen Stolperstein bzw. eine Gedenktafel für die Mutter errichten zu lassen, jedoch wurde das von den örtlichen Behörden auf das Entschiedenste verwehrt. Daher wird nun ein Gedenkstein auf dem Grab von Gáborné Gerencsér errichtet.

Geschichte

Sie waren friedlich, lebten in der Dorf- oder Stadtgemeinschaft, mit Nachbarn und Verwandten zusammen, waren ständig bereit zu helfen und ihr Weniges zu teilen – und dennoch wurden sie verfolgt und geschlagen.
Sie waren Christen, die dem Gebot Gottes „du sollst nicht töten“ folgten und keine Waffe in die Hand nahmen um andere Menschen umzubringen und dafür wurden sie in Gefängnisse oder Konzentrationslager gesteckt oder zum Tode verurteilt.
Sie waren Menschen, die in einer grauenhaften Epoche der Geschichte mutig und treu für ihren Glauben einstanden und diesen Glauben höher werteten als ihr eigenes Leben.
Sie waren „die Bibelforscher, die Zeugen Jehovas, die Häftlinge mit dem LILA WINKEL“.

Ab 1900

Erste Bibelforscher gab es in Ungarn um 1900 und sie zählten zu den „nicht-zugelassenen“ Religionsgemeinschaften. Seit den Reformen des Kirche-Staat-Verhältnisses stand es nach dem Gesetz von 1895 jedermann frei
- „sich zu jedem Glauben oder zu jeder Religion zu bekennen, ihr zu folgen und dies auch nach außen zu praktizieren. Niemand durfte an seiner Religionsausübung gehindert werden“.
In den 1920er Jahren waren die Bibelforscher von den Behörden noch geduldet worden, in den 1930er Jahren kam es zunehmend zu konsequenten Einschreitungen gegen kleine Religionsgemeinschaften.

Beginn der Angriffe

1936 erging die Anweisung an die Polizeibehörden die Sekten zurückzudrängen. Die Zeugen Jehovas schätze man als eine der gefährlichsten Vereinigungen und als „Quartierbereiter des Kommunismus“ ein. Die Ausbreitung dieser Gemeinschaft war unbedingt zu unterbinden.
Falschmeldungen in Zeitungen, wie: „Mit gefälschter Bibel, mit aus Moskau und Prag und von dort über Amerika nach Ungarn eingeschmuggelten Schriften verbreiten sie die wildesten, die extremsten kommunistischen Ideen“ führten dazu, dass im Juni 1937 zentral geleitete Ermittlungen gegen Jehovas Zeugen durchgeführt wurden.
Eine Zeitung berichtete am 23. Dezember 1937 unter der Überschrift „Die Polizei nahm bibelerklärende rote Agenten fest“, dass „schon in vielen Teilen des Landes die Verkündiger der Lehre Jehovas inhaftiert wurden.“

Verbot und Verfolgung

Am 13. Dezember 1939 wurde die Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Ungarn für ungesetzlich erklärt. Im selben Jahr wurden in Ungarn zwei Straflager eingerichtet. Auch Zeugen Jehovas wurden dort inhaftiert.
Im August 1940 wurde in Cluj ein weiteres Straflager errichtet und Hunderte Zeugen Jehovas – jung und alt – wurden in das Lager gebracht und dort auf das Brutalste behandelt, weil sie ihrem Glauben nicht abschworen und zu ihrer früheren Religion zurückkehrten.
Als Ungarn am 27. Juni 1941 in den Krieg gegen die Sowjetunion eintrat, wurde die Lage für Jehovas Zeugen noch gefährlicher. Im August 1942 entschied die Regierung, Jehovas Zeugen in Ungarn ein Ende zu machen. Sie wurden verhört und gefoltert – wobei diese Methoden so entwürdigend waren, dass man sie hier nicht erwähnen kann.
Auch Gáborné Gerencsér sagte, dass diese grausamen Geschichten Bücher füllen würden. Die „Bibelforscher“-Familien wurden brutal auseinandergerissen und 1942 wurde auch Gáborné auf der Straße von der Polizei festgenommen. Das Urteil: drei Jahre Zuchthaus und Einzelhaft.
Im Sommer 1943 wurden Zeugen Jehovas unter 49 Jahren aus allen Gefängnissen des Landes zusammengezogen und ihnen wurde befohlen, Militärdienst zu leisten. Dies lehnten sie trotz Misshandlungen ab.
Während der Besetzung Ungarns durch die deutschen Nationalsozialisten begann eine neue Qualität des Terrors für die Zeugen Jehovas. Ab Mai 1944 rollten Deportationszüge mit zehntausenden ungarischen Juden Richtung Auschwitz, darunter auch einige Zeugen Jehovas.
Da die Sowjetarmee immer näher rückte wurden Mitte Oktober 1944 vermehrt junge Männer zum Kriegsdienst eingezogen, Kriegsdienstverweigerer erwartete keine Gnade. Lajos Deli wurde auf dem Marktplatz in Sávár erhängt, weil er nicht bereit war, eine Waffe in die Hand zu nehmen.
Wie die zuvor erwähnten Männer haben auch Hunderte Frauen der Bibelforscher überall im Land in anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen den gleichen Kampf für ihren Glauben geführt. Zwei davon waren Eva Bász und Olga Slézinger, die nach Auschwitz deportiert wurden. Im Lager kategorisierte Doktor Mengele sie persönlich als arbeitsfähig, was sie vor der Gaskammer bewahrte.
Sie mussten Entwürdigungen erleben, die man nur ansatzweise beschreiben kann, wie Eva Bász erzählt: „Mein ganzes Haar wurde abrasiert; zehn bis zwölf Polizisten waren anwesend, und ich musste nackt dastehen. Diese Bestien banden meine Hände und Füße über meinem Kopf zusammen, und alle erniedrigten mich, indem sie mich vergewaltigten, alle bis auf einen. Ich war so zugerichtet, dass sie mich zwei Wochen im Keller versteckt hielten, bis die schwersten Verletzungen abgeheilt waren. Sie wollten nicht riskieren, dass andere mich in diesem Zustand sahen. Sie fesselten mich so stramm, dass ich, als ich drei Jahre später nach Schweden kam, an den Handgelenken noch immer Spuren davon hatte.“
Dann wurde ihnen ein gelber Stern auf die Kleidung genäht, der sie als Juden kennzeichnete, doch sie protestierten und bestanden darauf, dass sie Zeugen Jehovas seien. Sie rissen den gelben Stern ab und verlangten, dass ein lila Winkel aufgenäht würde, damit sie als Zeugen Jehovas zu erkennen wären. Obwohl sie dafür heftig geschlagen wurden, sagten sie: „Tun Sie mit uns, was Sie wollen, aber wir werden immer Zeugen Jehovas bleiben.“
Ein Erschießungskommando in Körmend richtete ebenfalls junge Männer noch am 2. bzw. 7. März 1945 – hin – wenige Tage vor Kriegsende. Von 1940 bis 1945 wurden 16 Zeugen wegen Wehrdienstverweigerung getötet und 26 weitere starben infolge von Misshandlungen.

Kriegsende aber kein Ende der Verfolgung

1945 kehrten viele ungarische Zeugen Jehovas aus Gefängnissen und Konzentrationslagern zurück. 1946 wurde das Verbot gegen kleine Religionsgemeinschaften aufgehoben. Als vorteilhaft hatte sich wohl zunächst erwiesen, dass viele Kommunisten aufgrund der gemeinsamen Haft in Gefängnissen und Konzentrationslagern Zeugen Jehovas kannten und Respekt vor ihnen hatten.
So schrieb eine Zeitung am 8. August 1946: „Wenn wir dazu noch in Betracht ziehen, dass die Zeugen Jehovas, sich streng an die Bibel haltend, es während des Krieges ablehnten, die Mordwaffen in die Hände zu nehmen, können wir begreifen, was diese heldenhaften, sanftmütigen Menschen an ungerechter und böser Behandlung erdulden mussten in der Zeit, da die totale Hasswelle das verführte Land in den Krieg stieß.“
Das Leid war jedoch nicht zu Ende. Eine neue Ära begann, die in weiteren Verhaftungen und Gefängnisaufenthalten endete.
1947 wurde das Zweigbüro der Zeugen Jehovas erneut offiziell eingetragen. Doch bereits 1948 änderte sich die Situation für die Zeugen. Die Kommunistische Partei übernahm allmählich die Macht. Man suchte Sündenböcke für die Misswirtschaft in Ungarn und gab den westlichen Imperialisten und ihren Agenten in Ungarn die Schuld. Zeitungsartikel wiegelten die Stimmung auf. 1950 kam es bereits zu etwa 300 Verhaftungen von Zeugen Jehovas, die den Wehrdienst verweigerten. Allerdings hieß es auch, sie würden gegen die Wahlen agieren, den Staat bekämpfen und Berichte nach Amerika senden. Man warf ihnen vor, große Mengen Gläubiger anzuziehen – sogar Parteimitglieder hätten ihr Parteibuch zurückgegeben und seien Zeugen Jehovas geworden.
1951 wurden die leitenden Zeugen in Budapest inhaftiert und am 2. Februar 1951 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 1953 sollen insgesamt über 500 Zeugen Jehovas zumeist in Arbeitslagern inhaftiert gewesen sein.
Während des Aufstandes 1956 wurden die Zeugen freigelassen, jedoch nur für kurze Zeit, denn zwei Wochen später erlangten die Kommunisten die Macht zurück und versuchten die Zeugen wieder zu verhaften.
Ab März 1960 wurden nach und nach alle Zeugen Jehovas freigelassen. Dennoch hielten die Behörden Kontakt mit ihnen. Statt mit Gummiknüppeln versuchten sie nun die Widerstandskraft der Zeugen mit glatten Worten und durch Überreden zu schwächen. Bis heute blieben sie standhaft.

Sie blieben mutig und treu

Sie sind friedlich leben in Dorf- oder Stadtgemeinschaften, mit Nachbarn und Verwandten zusammen, sind ständig bereit zu helfen und alles zu teilen.
Sie sind Christen, die dem Gebot Gottes „du sollst nicht töten“ folgen und keine Waffe in die Hand nehmen um andere Menschen umzubringen.
Sie sind Menschen, die in einer grauenhaften Epoche der Geschichte mutig und treu für ihren Glauben einstanden und für diesen Glauben auch in Zukunft einstehen werden.
Quellen: „Die Zeugen Jehovas in Ostmittel-, Südost- und Südeuropa“, Hrsg. Sebastian Koch, LIT Verlag, 2007; Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1996, Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft, Selters

siehe auch: http://www.meinbezirk.at/weiz/chronik/gedenkveranstaltung-fuer-gborn-gerencsr-d1035173.html/action/recommend/1/

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Von |17. Juli 2014|Veranstaltungen|0 Kommentare

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