ERINNERUNG – VERANTWORTUNG FÜR GENERATIONEN

Datum: 6. Dezember 2019, 17 Uhr

Ort: Fremdenverkehrsamt Töschling 21 in Techelsberg, Kärnten

Gedenkveranstaltung an die wegen ihres Glaubens in Berlin Plötzensee hingerichteten Zeugen Jehovas

Grußworte: Bürgermeister Johann Koban
Es war ein historischer Moment, als im Mai 2017 die Gedenktafel hier in der Gemeinde errichtet wurde. Heute gedenken wir wieder der hingerichteten Zeugen Jehovas, die eigentlich nichts anderes gemacht haben, als an ihren Glauben geglaubt haben.

Ansprache: “Praktizierendes Christentum selbst angesichts des Todes: Zeugen Jehovas in der NS-Zeit”
Mag. Dr. Josef Schneeweiß, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
In allen Geschichtsbüchern ist zurecht von der Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden in der NS-Zeit zu lesen. In wenigen von der Verfolgung und Ermordung der Zeugen Jehovas. Wieso das? Weil sie eine Minderheit waren? Weil ihre Geschichte lange im Vervorgenen blieb, auch aufgrund von eigenen Versäumnissen? Das hat sich schließlich in den 90er Jahren geändert. Es traten immer mehr Zeitzeugen an die Öffentlichkeit, wie z.B. Franz Wohlfahrt von hier, Hermine Liska, gebürtig vom Görtschitztal, Leopold Engleitner von Salzburg usw. …
Sie waren eine kleine Minderheit aber ein großes Ärgernis für das NS-System, wegen ihrer Weigerung Kriegsdienst zu leisten.

Stimmen der Jugend: Schülerinnen und Schüler erinnern, Leitung: Mag. Dr. Gerti Malle, Kulturwissenschaftlerin

Lesung: Wolfgang Biró

Opfer: Johann Stossier, Anton Uran, Gregor Wohlfahrt sen., Gregor Wohnfahrt jun. und Willibald Wohlfahrt.
Lebensberichte lesen: Namen anklicken

Bericht aus: ORF.at kaernten.ORF.at 5.12.2019

Schicksal der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit

Religion

Juden mussten in der NS-Zeit gelbe Sterne stragen, Zeugen Jehovas einen violetten Winkel, ein Dreieck. Ihre Verfolgung war bisher nicht gut erforscht, deswegen bemüht sich das Rechercheteam Lila Winkel, sich einen Überblick über die Lage in Kärnten zu verschaffen.

Seit zehn Jahren sind ie Zeugen Jehovas in Österreich als Glaubensgemeinschaft staatlich anerkannt und haben derzeit 26.000 Mitglieder. In den 1930er Jahren waren sie mit rund 500 Frauen und Männern nur eine verschwindend kleine Gruppe, sagte Peter Stocker vom Verein Lila Winkel. Dennoch wurden sie von der ersten Stunde an verfolgt. “Um das zu unterbinden, dass es noch  mehr Wehrdienstverweigerer geben könnte und dass der Gedanke des nicht Kämpfens um sich greift.”

Die Vorfahren von Peter Stocker am Techelsberg wurden hingerichtewt oder kamen in Umerziehungslager. Sie weigerten sich aus Glaubensüberzeugung, eine Waffe in die Hand zu nehmen oder den Krieg zu untertützen. “Wehrkraftzersetzung war der Titel der Nationalsozialisten, wenn sich jemand geweigert hat, im Heer zu dienen.”

Müttern Kinder weggenommen

In den Konzentrationslagern wurden den Zeugen Jehovas, den Bibelforschern, wie sie damals genannt wurden, ein lilafarbenes Dreieck als Erkennungsmerkmal angeheftet. Davon leitet sich auch der Vereinsame Lila Winkel ab. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Dokumentation und Aufarbeitung des Schicksals unschuldiger Opfer.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Histerikern wurden Lebensberichte verfasst, so der Germanist Josef Schneeweiß: “Es gab ca. 100 Zeugen Jehovas in Kärnten, die Opfer des NS-Systems wurden, sie litten in Kärntner Gefängnissen an Hunger und Krankheiten. Müttern wurden die Kinder genommen und in NS-Erziehungslager gesteckt.” Die ersten Hinrichtungen von Zeugen Jehovas erfolgten in der ersten Dezemberwoche des Jahres 1939. 80 Jahre später findet am Freitag, dem 6. Dezember, in der Gemeinde Techelsberg eine Gedenkveranstaltung statt.

Nur sechs überlebten

In Techelsberg lebten damals rund 26 Zeugen Jehovas, acht wurden hingerichtet, sieben enthauptet und einer starb in der Gaskammer. Sechs Personen starben in Konzentrationslagern sowie Gestapogefängnissen, eine weitere starb unmittelbar nach dem Krieg an Typhus. Nur sechs jener Zeugen Jehovas überlebten die Arbeits- und Konzentrationsalger laut dem Nationalfonds Österreich für Opfer des Nationasozialismus. 2017 wurde eine Gedenktafel für die Opfer errichtet. red, kaernten.ORF.at