Hans Maršálek Preis – Mauthausen Komitee Österreich – Preisverleihung 15. Juni 2015

Bundeskanzler Faymann mit Preisträgern und Zeitzeugen

Anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Maršálek (* 19. Juli 1914 in Wien; † 9. Dezember 2011) stifteten das Mauthausen Komitee Österreich und die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen erstmalig den Hans-Maršálek-Preis für herausragende Leistungen im Bereich der Gedenk-, Erinnerungs- und Bewusstseinsarbeit. Der Preis dient dem Andenken an einen der letzten österreichischen Zeugen der Verbrechen des nationalsozialistischen Terrorregimes und einen beeindruckenden Menschen, der konsequent gegen Faschismus und Ausgrenzung sowie für Toleranz und ein demokratisches Miteinander eintrat.

21 Bewerbungen

Die Tätigkeit der Zeitzeugin Hermine Liska war eine von 21 Bewerbungen für den Hans-Maršálek-Preis.

Frau Hermine Liska (geb. 1930) ist seit 1997 unermüdlich im Dienste der Erinnerungsarbeit und zur Mahnung gegen Intoleranz, Vorurteile, Menschenverachtung, Rassismus und verhetzender Propaganda an Schulen, als Zeitzeugin, in ganz Österreich unterwegs.

Frau Liska gehört der Opfergruppe der Zeugen Jehovas an. 1938, im Alter von 8 Jahren begann für sie der Terror in der Schule mit Diskriminierung seitens der Mitschüler und Lehrer. Schließlich wurde sie als 11jähriges Mädchen den Eltern weggenommen und in zwei nationalsozialistische Heime zur Umerziehung gebracht, zuerst nach Feldkirchen in Kärnten und weiter nach München in die Adelgunden-Anstalt. Der Grund: sie grüßte nicht „Heil Hitler“, weigerte sich die nationalsozialistische Uniform anzuziehen sowie das Singen patriotischer Lieder. In den Erziehungsanstalten erlebte sie teilweise Essensentzug, Strafarbeiten, hatte Besuchsverbot; die Briefe wurden zensuriert und sie war dem enormen Druck und der Verspottung von Seiten der Erzieher und der anderen Heimkindern ausgesetzt. Dennoch blieb sie ihren Prinzipien schon als Kind treu.

Seit 2002 ist Frau Liska eine vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung politische Bildung, jetzt Ministerium für Bildung und Frauen, anerkannte Zeitzeugin und wird auch von dieser Stelle unterstützt und vermittelt. Frau Liska hat bisher ca. 160.000 Schüler in etwa 400 Schulen erreicht. Frau Liska ist damit jene Zeitzeugin, die in den letzten 15 Jahren in Österreich die meisten Zeitzeugengespräche durchgeführt hat.
Die positive Lebenseinstellung, keinerlei Hassgefühle, keine Rachegedanken sondern Zufriedenheit und Dankbarkeit sowie Humor zeichnen Frau Liska aus. So schafft sie es, Schüler und Lehrer im Herzen zu berühren.

Frau Liska ist 85 Jahre alt und immer noch bereit, mit Schülern zu reden, Fragen zu beantworten und Mut zu machen, im Leben das Richtige zu tun, für Werte und Prinzipien einzustehen, ja sie trägt einen Teil zur Bewusstseinsbildung junger Menschen bei.

In diesem Sinne wäre der Hans-Maršálek-Preis für Frau Liska eine Option.

Preisverleihung 15. Juni 2015

Bundeskanzler Werner Faymann verlieh den Hans-Maršálek-Preis an:

Platz 1:   “Stollen der Erinnerung” in Steyr

Platz 2:   “Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung. Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal”

Platz 2:   “Neugestaltung des Museums am Persmanhof und Begleitpublikation Persman”

Würdigungspreis:   “Eine Schule in Mauthausen … Das Leben geht weiter”

 

 

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