Höllersberger Pauline geb. Wagner, verehl. Jungwirth

  • Höllersberger Pauline

Geboren: am 2. Jänner 1904 in Zell an der Ybbs, Niederösterrreich, Österreich
Gestorben: am 31. Juli 1957 in Eisenerz (Unfalltod)
Verheiratet: mit Engelbert Höllersberger (bis 1952) und Johann Jungwirth (bis 1957)
Kinder: Pauline und Rosa

Verhaftung: 1. September 1944, in Leoben inhaftiert, später nach Graz überstellt
September 1944 KZ Auschwitz, 4. Oktober 1944 KZ Ravensbrück

Pauline Höllersberger, geb. Wagner, wurde am 2. Jänner 1904 in Zell an der Ybbs (Bezirk Waidhofen a.d.Ybbs, NÖ) geboren. Sie stammte aus einer alten, streng katholischen Bauernfamilie.
Sie heiratete Engelbert Höllersberger, geb. 10. Oktober 1889, gest. 28. März 1952. 1928 bzw. 1930 kamen die Töchter Pauline und Rosa zur Welt. Die Familie wohnte in Eisenerz, in der Vordernbergerstraße 16.

1933 erhielt Pauline Höllersberger von dem Eisenerzer Rupert Sauseng ihre ersten Bibelforscher-Schriften. Wann sie als Bibelforscherin getauft wurde, ist nicht bekannt. Ihr Mann Engelbert Höllersberger war aktiver Kommunist. Er respektierte die religiöse Einstellung seiner Frau. Aber Paulines gesamte Verwandtschaft zog sich vollständig von ihr zurück.

An der Wahl zum Anschluss im April 1938 nahm sie nicht teil. Sicherheitshalber verließ sie zusammen mit ihren Töchtern ihre Wohnung und tauchte bei einer bekannten Familie im Eisenerzer Münichtal unter. Die SA suchte sie schließlich auch in ihrem Versteck. Dank der beherzten Reaktion des Hausherrn, der sie verleugnete, gab es für sie noch keine Konsequenzen.

Verhaftung und Konzentrationslager

Während des Krieges arbeitete Paula Höllersberger am Erzberg in der Klaubanlage, wo sie mit einer ausländischen Zwangsarbeiterin, in Kontakt kam. Der dadurch entstandene Briefkontakt mit der Frau und eine Hausdurchsuchung, bei der man Bibeln fand, führten schließlich zur Verhaftung Paulines am 1. September 1944. Zunächst wurde sie in Leoben inhaftiert, wo sie durch das Unterschreiben der sogenannten „Verpflichtungserklärung“ ihrem Glauben abschwören sollte, um freigelassen zu werden. Da sie verweigerte, wurde sie ins Grazer Polizeigefängnis überstellt. Noch im September 1944 wurde sie in einem Viehtransport angeblich zunächst ins KZ Auschwitz und am 4. Oktober 1944 ins KZ Ravensbrück gebracht.

Ihre Familie erfuhr erst etwa drei Monate später durch eine Ansichtskarte vom 20. November 1944 von ihrem Aufenthaltsort im KZ Ravensbrück.

Als Kindermädchen in SS-Haushalt

Nach einiger Zeit wurde sie, so wie einige andere Zeuginnen Jehovas, als Kindermädchen und Haushaltshilfe in einer kinderreichen SS-Familie eingesetzt. Der SS-Mann bestand auf eine Zeugin Jehovas, da sich diese Häftlinge als ehrlich, zuverlässig und nicht rachsüchtig erwiesen haben. Pauline musste hart arbeiten um den Haushalt und die 9 Kinder zu versorgen. Jeden Abend marschierte sie zum Schlafen wieder zurück ins KZ.
Als sich die Situation in Deutschland immer mehr verschlechterte, brachte der SS-Mann seine Familie samt Pauline Höllersberger nach Weihnachten 1944 in die Tschechoslowakei, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse noch besser waren.

Irgendwann erfuhr Pauline Höllersberger dann zufällig, dass der Krieg zu Ende war. Sofort machte sie sich auf die Wanderschaft Richtung Eisenerz (aus diesem Grund existieren auch keine Entlassungspapiere). Sie war die meiste Zeit zu Fuß, bei Gelegenheit auch mit dem Ochsenkarren oder Pferdefuhrwerk unterwegs. Die letzten Kilometer konnte sie im Viehwaggon eines Zuges zurücklegen. Als der Zug in Attnang-Puchheim einfuhr, stürzte sie unglücklicherweise aus dem Waggon und zog sich eine Kopfverletzung zu. Schließlich kam sie an einem schönen Tag im Mai 1945 total entkräftet mit Lungenentzündung und einem Kopfverband bei ihrer völlig überraschten Familie zu Hause an. Durch die Pflege ihrer Familie erholte sich Pauline Höllersberger schließlich langsam.

Nun erfuhr sie, dass während ihrer Zeit im KZ ihre zwei jugendlichen Töchter mit tatkräftiger Unterstützung der im gleichen Haus wohnenden Nachbarin Juliane Wieland – liebevoll „Juli-Mami“ genannt – den Haushalt für sich und den Vater versorgt hatten. Frau Wieland war auch eine Zeugin Jehovas, die wahrscheinlich aufgrund ihres hohen Alters keinen Verfolgungsmaßnahmen gegen die Bibelforscher ausgesetzt war.
Am 1. September 1947 wurde Pauline Höllersberger als Opfer des NS-Regimes anerkannt und bekam die Amtsbescheinigung ausgestellt.
Ihr Ehemann Engelbert Höllersberger starb am 28. März 1952, wodurch sich eine finanzielle Notlage einstellte. Ab 1. April 1952 erhielt sie daher Unterhaltsrente.
Ein paar Jahre später (im Frühjahr 1957) heiratete Pauline Höllersberger den um viele Jahre jüngeren Zeugen Jehovas Johann Jungwirth (geb. 1930) aus Eisenerz. Das Ehepaar erlitt im Juli 1957 einen Motorradunfall, der für Paula Höllersberger tödlich endet.

Quellen:
Jehovas Zeugen Österreich/Geschichtsarchiv:
Erinnerungsbericht der Töchter Rosa und Pauline aus dem Jahr 2000; Amtsbescheinigung vom 1.9.1947; Betreuungskarte des Bundesverbands ehemaliger politisch Verfolgter;

Von |08. Dezember 2013|Opferberichte|0 Kommentare

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