Hufnagl Alois (Aloisius)

Geboren am: 17. Juni 1888 in Kasten 30, Gemeinde Aurach an der Donau, Oberösterreich, Österreich
Wohnort: Neukirchen bei Altmünster, Haus 135
Eltern: Franz und Josefa Hufnagl
Geschwister: Katharina Hausjell
Beruf: Holzarbeiter, Forstarbeiter, Hausierer für Holzwaren
Verheiratet am 24.10.1919 mit Theresia Feichtinger, geb. 19.12.1884 in Mühlbach 15,
Kinder: Alois, geb. 1920 (gest. 1987), Siegfried, geb. 1922, vermisst als Soldat seit 1943
Wohnhaft: Neunkirchen 219 (Wiesholz-Besitzer), Gemeinde Altmünster
Soldat im 1. Weltkrieg

Verhaftet im Jahr 1940, inhaftiert in Wels/Landesgericht
KZ Mauthausen
KZ Sachsenhausen, Nr. 51409

Verstorben am: 5.12.1942 im KZ Sachsenhausen

 

Alois (Aloisius) Hufnagl wurde am 17.6.1888 in Kasten 30 geboren. Er besuchte die Volksschule in Neukirchen vom 3.9.1894 bis 16.6.1902. Im 1. Weltkrieg diente er als Soldat.
Mit 31 Jahren heiratete er am 24.10.1919 Theresia Feichtinger. Er wurde Vater von Alois (geb.1920) und Siegfried (geb.1922).
Ab dem 30.5.1928 vertrieb er in vielen Orten Oberösterreichs und Salzburgs von Haus zu Haus selbstgefertigte Holzwaren und Schnitzereien aus Horn. (Vgl. Hausierbuch vom 30.5.1928 der Bezirkshauptmannschaft Gmunden und vom 27.4.1939 Bestätigung der Gemeinde St.Georgen i.A.)
Wann und durch wen er mit Bibelforschern bzw. den Zeugen Jehovas Alois in Kontakt kam, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Es ist aber anzunehmen, dass er mit der Gruppe in Bad Ischl rund um Leopold Engleitner und auch Johann Moser aus Gmunden in Kontakt war, denn Theresia Hufnagl war die Schwester von Maria Moser, der Ehefrau Johann Mosers. Am 10.5.1930 tritt er aus der röm.kath. Kirche aus. 1932 tritt seine Ehefrau Theresia aus der Kirche aus, schließt sich aber nicht den Zeugen Jehovas an. Auch seine Schwester Katharina Hausjell und deren Ehemann sympathisieren mit den Zeugen Jehovas.
Im Jahre 1936 kommt es zur Scheidung von seiner Frau vor dem Bezirksgericht Gmunden. Theresia tritt schließlich wieder in die Kirche ein. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Beim Begräbnis im Jahre 1977 erwähnte der Pfarrer bei seiner Ansprache: “Sie ist als verlorenes Schaf wieder zurückgekehrt.”

“Sie sind selbst schuld … weil Sie einer antinationalsozialistischen Sekte angehören”

Im August 1940 wurde das Hausierbuch von Alois Hufnagl wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ und Zugehörigkeit zu den Bibelforschern nicht mehr verlängert.
„Sie werden nie mehr ein Hausierbuch erlangen, weil die Gefahr besteht, im Wirkungskreis beim Hausieren für Ihre antinationalsozialistische Sekte Propaganda zu machen.“ (DÖW, S. 204)

Aus: Schreiben der “Wirtschaftsgruppe ambulantes Gewerbe, Ortsstelle Gmunden”
an Alois Hufnagl aus Neunkirchen bei Altmünster betreffend Nichtverlängerung seines Hausierbuches vom 30. August 1940
OF/OÖ61, 367-1000
DÖW 14.640

Wels, am 30.8.40
Herr Hufnagl!
Auf Ihren letzten Brief teilen wir Ihnen mit, daß Sie ganz allein schuld sind an der Nichtverlängerung Ihres Hausierbuches.
Sie sollen doch selber wissen, welchen Weg das Gesuch einer Verlängerung gehen muß.
1. An die zuständige Gewerbebehörde
2. An das Arbeitsamt
3. An das Gesundheitsamt
4. An die Ortsgruppe der NSDAP; an dieser Stelle, was auch die heiklichste ist, blieb ihr Gesuch stecken, weil Sie Bibelforscher sind, und als solcher einer antinationalsozialistischen Sekte angehören, also als politisch unzuverläßlich erscheinen.
Die Ortsgruppe der NSDAP in Gmunden gab diesem Sachverhalt der Gewerbebehörde in Gmunden und zu gleicher Zeit uns bekannt, auf das hin wurde Ihr Gesuch von beiden Seiten abgelehnt.
Sie werden nie wieder ein Hausierbuch erlangen, weil die Gefahr besteht, im Wirkungskreis beim Hausieren für Ihre antinationalsozialistische Sekte Propaganda zu machen.
Heil Hitler!
Hans Thallinger
Wirtschaftsgruppe Ambulantes Gewerbe
Ortsstelle Gmunden
Wels, Ferdinand-Wiesinger-Straße 17

Im Herbst 1940 bzw. Anfang des Jahres 1941 wurde Alois Hufnagl verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert, wo er die Häftlings-Nummer 51409 bekam. Er wurde dem Außenlager Klinkerwerk zugeteilt. Die Häftlinge mussten hier für den SS-Betrieb „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“, die an dem Standort ein großes Ziegelwerk errichten wollte, Aufbauarbeiten durchführen und Klinkersteine herstellen. Ab 1941 wurde die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt. (Vgl. http://www.stiftung-bg.de/totenbuch/main.php )

Am 18.6.1942 schreibt Theresia Hufnagl zwei Entlassungsgesuche, u.a. auch an die Schwester Adolf Hitlers. Beide werden abgelehnt.
Sechs Monate später erreicht Theresia die Mitteilung, dass Alois am 5.12.1942 an „Herzdekompensation bei Arteriosklerose“ im Krankenhaus des KZ Sachsenhausen verstorben ist. (Vgl. Mitteilung der Lagerleitung des Konzentrationslagers Sachsenhausen vom 9.12.1942)

Todesnachricht aus Sachsenhausen

Aus: Schreiben des KZ Sachsenhausen an Frau Theresia Hufnagl aus Neukirchen bei Altmünster betreffend den tod Ihres Gatten Alois, 9.12.1942 (44)
OF/OÖ/61, 376-1000
DÖW 14.640

Sehr geehrte Frau Hufnagl!
Ihr Ehemann meldete sich am 4.12.1942 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenhaus in ärztliche Behandlung genommen. Es wurde ihm die bestmögliche medikamentöse und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden.
Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus.
Ihr Ehemann hat keine letzten Wünsche geäußert.
Heil Hitler!
Unterschrift/unleserlich
SS-Obersturmbannführer

Der Ehefrau wird angeboten, die Urne anzufordern und auch die spärlichen persönlichen Gegenstände ihres Mannes übersandt.
Alois Hufnagl starb im Alter von 54 Jahren.

Quellen:
Bericht von Alois Hufnagl (Enkel)
Foto Privatbesitz von Alois Hufnagl (Enkel)
Archiv Sachsenhausen, Gedenkstätte
DÖW (Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes) 14.640
DÖW, Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, S. 204
Totenliste der Wachtturm Gesellschaft aus dem Jahr 1947
Galanda/Ganglmair/Neugebauer: Widerstand u.Verfolgung in OÖ 1934-1945, Bd. 2, Öst.Bundesv., 1982 Seiten 200,204

Dokumente:
Taufschein
Todesnachricht vom 9.12.1942
Schreiben betreff Nachlass vom 14.12.1942
Begleitschreiben Todesnachricht vom 14.12.1942
Hausierbuch vom 30.5.1928

http://www.stiftung-bg.de/totenbuch/main.php

Von |21. Dezember 2014|Opferberichte|0 Kommentare

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