Kraft (Krafzik) August

Geboren: 13. Oktober 1886 in Kiöwen, Ostpreußen, Deutschland
Gestorben: 1. Februar 1940 im Konzentrationslager Mauthausen

Verhaftet: 25. Mai 1939

August Kraft (Krafzik)*) wurde in Deutschland geboren. Es gibt keine Angaben darüber, wann er sich der Internationalen Bibelforschervereinigung anschloss. Dass er aber schon Anfang des 20. Jhd. ein Bibelforscher gewesen sein muss, geht aus einem abgedruckten Brief von ihm, datiert mit Galizien, 20.4.1915, im “Der Wachturm”, 1915, 20. Jahrg., Nr. 6, S. 96 hervor. Wann er nach Wien kam, ist nicht bekannt. Fest steht, dass er in den 1920er Jahren in Wien war und engen Kontakt zu den “Ernsten Bibelforschern” hatte.  Im Jahr 1923 wurde das erste offizielle Büro der Internationalen Bibelforschervereinigung in der Pouthongasse 12, im 15. Bezirk in Wien eingerichtet. August Kraft fungierte als Schriftführer. Da die Räumlichkeiten bald zu klein wurden, wurden größere Objekte angemietet und schließlich ein Haus in der Halbgasse 26, im 7. Wiener Gemeindebezirk gekauft. In den 1930er Jahren wurde die Internationale Bibelforschervereinigung verboten.  Am 12. März 1938 überschritten Hitlers Truppen die österreichische Grenze. Ungefähr zwei Wochen zuvor war angesichts der zu erwartenden Ereignisse das Eigentum der Watch Tower Society in Wien verkauft worden. Der damalige Leiter, Walter E. Voigt, war Volljude und seine Frau Halbjüdin. Sie verließen Österreich und flohen in die Schweiz. August Kraft wurde es freigestellt, Österreich ebenfalls zu verlassen. Er erklärte jedoch: “Ich möchte bei den Schafen bleiben.”  August Kraft wurde von 1938 bis Mai 1939 der vorletzte Leiter der Bibelforschervereinigung vor Ausbruch des Krieges. Als Büro diente seine Wohnung im 7. Bezirk, in der Neubaugasse 45.

August Kraft war ständig unterwegs, obwohl sein Name bereits auf der Liste derer stand, auf die die deutsche Gestapo Jagd machte. Er übernahm selbst Kurierdienste und betreute Bibelforschergruppen in Innsbruck, Klagenfurt und anderen Landesteilen. In Vorarlberg übernahm er auch eingeschmuggelte Wachtturm-Ausgaben aus der Schweiz und verteilte diese dann weiter.

Ohne Gerichtsverhandlung ins KZ

Am 25. Mai 1939 wurde August Kraft in seiner Wohnung von der Gestapo verhaftet. Am 14. Juli 1939 erfolgte die Einweisung ins KZ Dachau durch einen Schutzhaftbefehl – ohne dass Kraft ein Gerichtsverfahren gemacht wurde. Nach 6 Monaten wurde Kraft gemeinsam mit 144 anderen Zeugen Jehovas mit dem großen Häftlingstransport im September 1939 nach Mauthausen überstellt. Am 29. September 1939 wurde er in Mauthausen eingeliefert. Als sie um Mitternacht in Mauthausen angekommen und aus dem Viehwaggon gestiegen waren, wurde ihnen gleich gesagt:

Mauthausen ist kein Sanatorium wie Dachau

“Mauthausen ist kein Sanatorium wie Dachau; wir werden euch alle kaputtmachen.” Gemäß Schätzungen waren in der Zeit zwischen August 1938 und Mai 1945 insgesamt etwa 206 000 Personen dort inhaftiert, und der Tod von 35270 Häftlinge ist erwiesen.

In den ersten drei Jahren hatten die Bibelforscher ausnahmslos harte Arbeit im Steinbruch zu verrichten. Das Wetter war im Winter extrem kalt. Hunderte Gefangene erfroren im Steinbruch. Am Ende des Tages mussten die Häftlinge einen großen Stein über die 186 Stufen der Todesstiege mit ins Lager zurückbringen. Der Kommandoführer Spatzenegger hatte angeordnet, dass Steine von weniger als 10 Kilogramm viel zu leicht seien. Er ließ den Häftlingen Steine von 40 kg Gewicht auflegen, so dass viele zusammenbrachen. Oft wurden diese dann auf der Stelle getötet. **)

Der Mithäftling Alois Moser erinnerte sich:

“Eines Tages weist August Kraft den KZ Kommandanten darauf hin, dass er Blutflecken auf der Weste trägt. Er bekam vom Kommandanten Einzelhaft. Am folgenden Morgen mussten Josef Buchner und ich die nackten Leichen auf einen Schlitten aufstapeln. Die Elenden hatten alle ein mit ihrem Namen verzeichnetes Schild, das an der großen Zehe angebunden war. Unter dem Leichenhaufen war auch August Kraft.”

Auch Josef Buchner aus Braunau berichtete über ihn:

“August Kraft, der uns während der Verbotszeit immer die Wachttürme brachte, starb in dieser grauenhaften Sätte. Ich konnte einige Stunden vor seinem Tod noch mit ihm sprechen, mir kullerten die Tränen nur so herunter und ich sagte ihm, dass er ja nun bald beim himmlischen Vater und seinem Sohn sein werde. Er sagte mir mit schwacher Stimme und lächelte dabei, dass er sich freue, dass er sterben kann. Am anderen Tag war auch sein Körper bei denen, die wir auf dem Schlitten auf einen Haufen zusammenfuhren.”

August Kraft verstarb am 1. Februar 1940 im Konzentrationslager Mauthausen.

Sein Name wird in der neuen Ausstellung (2013) “RAUM DER NAMEN” im Konzentrationslager Mauthausen erwähnt.

 

*) Name: Kraft – Krafzik

Zum Namen von August Kraft oder Krafzik gibt es folgende Erklärung von einem Zeitgenossen, ca. aus dem Jahr 1990: Aufgrund seines Mutes und seiner geistigen Stärke nannten ihn die Glaubensbrüder KRAFT, obwohl er Krafzik hieß. Es blieb diese gekürzte Form, die sich anscheinend auch aus dem schwer auszusprechenden Namen Krafzik ergab. Ob er sich selbst dann auch amtlich so eintragen ließ, ist nicht bekannt. Im DÖW und im Register der Verstorbenen in Mauthausen wird er als August Kraft geführt. (Quelle: Bernhard Brabenec, Wien).

**) entnommen aus: Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1989, S. 100

Von |09. Mai 2013|Opferberichte|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. [...] Lebensberichte von zwei Opfern in Mauthausen von Anton Spießberger und August Kraft  [...]

  2. [...] von Häftlingen des KZ Mauthausen: Braunstein Franz Hechenblaikner Josef Kraft (Krafzik) August Linsbauer Leopold Mattischek Hubert Mattischek Wilhelm Mattischek Wolfgang Obrist Josef [...]

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