Kuglitsch Vinzenz

Geboren: am 15. Jänner 1908 in Dellach/Gailtal, Kärnten, Österreich
Verstorben: am 12. April 1991
Heirat: am 17. Oktober 1942 mit Maria Rauscher
Kinder: Franz, geb. 1936, Otto, geb. 1946

Eltern: Vater: Lorenz Kuglitsch, Holzarbeiter, katholisch
Mutter: Katharina Kuglitsch, katholisch
Geschwister: 1 Schwester, 4 Brüder

Zum ersten Mal kam Vinzenz Kuglitsch im Gailtal mit Bibelforschern in Kontakt und zwar durch seinen Arbeitskollegen Franz Arbeiter, einem eifrigen Bibelforscher.
Vinzenz Kuglitsch trat bereits im Gailtal, wo er bis zum Jahre 1939 lebte, aus der Kirche aus. Am 19. Juli 1943 ließ er sich gemeinsam mit seiner Frau Maria als Zeuge Jehovas taufen.

Inhaftierung

Aufgrund mehrerer Arbeitsunfälle wurde Vinzenz Kuglitsch für den Krieg als untauglich erklärt. Er war damals als Holzknecht und Fabriksarbeiter beschäftigt. Gegen Kriegsende wurden jedoch auch Ältere und „Untaugliche“ einberufen. So kam es, dass Vinzenz am Abend des 10. Dezember 1944 in Anwesenheit seiner Frau Maria und seines 8-jährigen Sohnes Franz von einem Polizisten verhaftet wurde, als die Familie gerade beim Abendessen war. Maria fiel auf, dass es dem Polizisten peinlich war, Vinzenz abzuführen, da er, ihrer Meinung nach, merkte, dass Vinzenz unschuldig war. Die Anklage lautete auf Kriegsdienstverweigerung. Laut den Unterlagen der Opferfürsorgeabteilung im Amt der Kärntner Landesregierung begann die Haft am 18.12.1944 und dauerte bis 9.5.1945.

Im KZ Dachau

Vinzenz Kuglitsch wurde ins KZ nach Dachau gebracht und später nach Leonberg. Man versuchte ihn für Reinigungsarbeiten in einer Rüstungsfabrik einzusetzen, dies hat er jedoch verweigert. Nach wiederholten Ablehnungen wurde er eines Tages im Jänner 1945 in einen Bunker gesteckt und mit kaltem Wasser überschüttet. Anschließend musste er mit einer Decke den Boden aufwischen, sich dann auf die nasse Decke legen und sich damit zudecken. Als er am nächsten Morgen noch lebte, sagten die Leute, die dies veranlasst hatten: „Jetzt lebt dieses Schwein immer noch!“
Nach diesen schrecklichen Ereignissen bekam er eine Arbeitszuteilung bei den Totengräbern zugeteilt.

Vinzenz Kuglitsch kannte sich sehr gut mit Kräutern aus. Eines Tages versuchte er sich aus den gefundenen Kräutern einen Tee aufzubrühen. Dabei wurde er jedoch von einem Wärter (Kapo) erwischt. Für dieses „Verbrechen“ wurde er zu 25 Peitschenhieben verurteilt, die schließlich von einem Mithäftling ausgeteilt wurden. Vinzenz erzählte später, in dieser Situation habe er die Hilfe seines Gottes auf besondere Weise verspürt, da er nur zwei dieser Schläge wirklich spürte, die restlichen 23 überhaupt nicht.

Kriegsende

Als sich der Krieg seinem Ende zuneigte, wurden die Häftlinge in eine Waldlichtung gejagt, wo sie erschossen werden sollten. Gerade zu diesem Zeitpunkt tauchten amerikanische Tiefflieger auf. Die SS-Männer ergriffen die Flucht. Dies war nun auch der Zeitpunkt für die Häftlinge sich zu befreien. Nach einem Fußmarsch von ca. 5 Wochen gelang es Vinzenz wieder nach Hause zu kommen.

Man kann von Glück reden, dass Sohn Franz nie in ein Erziehungslager kam. Ein weiteres Glück war, dass Franz und seine Mutter Maria bei der Firma Veit in Himmelberg, wo Papier hergestellt wurde, während des Krieges und auch nach der Verhaftung von Vinzenz weiterarbeiten konnten, um so den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Auch seine Frau Maria „stand schon auf der Liste“ (laut Aussage einer Gemeindebediensteten ihr gegenüber). Glücklicherweise war der Krieg jedoch noch vorher zu Ende.
Zuletzt wohnte er in Villach, Pogöriacherstraße 27/16.
Vinzenz Kuglitsch verstarb am 12. April 1991 nach längerem schweren Leiden.

Quellen:
Erinnerungen von: Maria Kuglitsch (Ehefrau), Juni 1998
Heiratsurkunde
Staatsbürgerschaftsnachweis
Geburts- und Taufschein
Heimatschein

Von |03. Mai 2015|Opferberichte|0 Kommentare

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