Löschenkohl Stefan

Geboren am: 2. Dezember 1904 in der Steiermark, Österreich
Gestorben am: 15. April 1969 in Amstetten
Mutter: Maria Fehdinger, geb. Löschenkohl
Halbbruder: Gustav Fehdinger
heiratet 1945: Maria
Kinder: Sohn?

Stefan Löschenkohl wurde am 2. 12. 1904 geboren. Er ist als lediges Kind der Frau Maria Fehdinger, geb. Löschenkohl, in Bärndorf in der Steiermark aufgewachsen.
Im Jahr 1937 lernte Stefan Löschenkohl durch Herrn Jakob Resch in Admont, Steiermark, die Lehre der Zeugen Jehovas kennen und wurde wahrscheinlich noch im selben Jahr als Zeuge Jehovas getauft. Seine Mutter, Maria Fehdinger, hatte kein Interesse für die Bibel. Ein Halbbruder, Gustav Fehdinger, war später bei der Waffen-SS und ein großer Gegner seiner Glaubensüberzeugung.

Stefan Löschenkohl arbeitete als Forstarbeiter für das Stift Admont und bis zu seiner Verhaftung als Forstarbeiter in Eisenerz. Auch nach dem Krieg war er wieder als Forstarbeiter tätig.

Verhaftung

Gemeinsam mit David Meissnitzer, seinem Arbeitskollegen und Glaubensbruder, folgte er dem Einberufungsbefehl. Allerdings verweigerten sie den Dienst mit der Waffe. Am 19. 12.1939, als er von seiner Arbeit als Forstarbeiter in Eisenerz nach Hause kam, warteten bereits zwei Männer auf ihn und forderten ihn auf, sofort mit ihnen mitzukommen. Stefan erbat sich noch, etwas zu essen und sich umziehen zu dürfen. Er nützte die Gelegenheit, biblische Literatur in den Ofen zu stecken und zu verbrennen.
Zusammen mit David Meissnitzer wurde er anschließend ins Polizeigefängnis nach Graz überstellt. Nachdem David Meissnitzer verhört wurde, kam auch Stefan Löschenkohl an die Reihe und man fragte ihn ebenfalls, ob er eine Bibel hätte und von wem. Er verweigerte die Auskunft mit dem Hinweis, dass er kein Verräter sei.

Nach einigen Wochen wurde er in einem Viehwaggon ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.
Stefan Löschenkohl gab nach dem Krieg zu Protokoll: „Am 19. Dezember 1939 wurde ich und Meissnitzer David wegen Glaubensüberzeugung im Auftrage der Gestapo von der Gendarmerie Admont verhaftet und am 20. Dezember 1939 in das Polizeigefängnis Graz (Paulustorgasse) eingeliefert. Nach einigen Wochen wurde ich und 2 Wochen später wurde auch Herr Meissnitzer in das KZ Sachsenhausen (Oranienburg b.Berlin) durch die Gestapo überstellt.“ (Niederschrift am 7. 2. 1952 im Marktgemeindeamt Admont)

5 Jahre KZ Sachsenhausen

Überblick über die Gefängnisaufenthalte
19. Dezember 1939 Verhaftung in Eisenerz und Polizeigefängnis Graz
29. Februar 1940 bis Mai 1945 KZ Sachsenhausen, Block 12, Nr. 20473

Vor allem die ersten Jahre waren eine Zeit des Hungers, der Entbehrungen und grausamer körperlicher Züchtigung. Durch die extreme Kälte hatte Stefan Löschenkohl auch Erfrierungen an seinen Händen.
Später wurde es für ihn etwas günstiger. Als gelernter Zimmermann wurde er tagsüber außerhalb des Lagers zum Barackenbau eingesetzt.
Einmal musste er bei der Familie eines SS-Aufsehers im Keller Obststellagen errichten. Die Ehefrau des SS-Aufsehers, der evangelischen Konfession angehörig, fragte ihn einmal, ob er irgendeinen besonderen Wunsch hätte. Stefan Löschenkohl sagte, dass er sich eine Bibel wünschte. Die Frau hatte Bedenken, wie er eine Bibel in das Lager bringen könnte. Überraschenderweise händigte sie ihm zwei Bibeln aus, die er unter seinem Hemd in der Bauchgegend verstaute. Inbrünstig betete er zu seinem Gott Jehova, dass er abends bei der Rückkehr ins Lager keine Kontrolle zu erwarten hätte. Es ging tatsächlich alles gut, und so hatten sie im Lager zwei Bibeln, was unter den Glaubensbrüdern große Freude auslöste. Die Bibel wurde zerteilt und in der Nacht am Boden liegend, lasen die Zeugen Jehovas die Bibel. Als Zeuge Jehovas war er mit seinen Mitbrüdern in einer Sonderbaracke untergebracht, die schwer bewacht und ständig kontrolliert wurde.

Im Mai 1945 wurden Löschenkohl und seine Mitbrüder vom amerikanischen Militär befreit. Sie wurden notdürftig mit Kleidung und Nahrung versorgt und dann in ein Lager nach Schwerin gebracht.

Im September 1945 kehrte Stefan Löschenkohl aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen zurück. Im selben Jahr heiratete er Maria, eine Glaubensschwester, und lebte zuerst in Eisenerz, wo er die kleine Versammlung der Zeugen Jehovas leitete.
1947 übersiedelte er mit seiner Familie nach Admont und leitete dort die Gruppe der Zeugen Jehovas.
Nach seiner Pensionierung im Jahr 1967 übersiedelte Stefan Löschenkohl mit seiner Familie nach Ferschnitz, nahe bei Amstetten in Niederösterreich.
Zwei Jahre später, am 15.04.1969, starb Stefan Löschenkohl völlig unerwartet in Amstetten an einem Krebsleiden, das er sich angeblich durch die schlechte Kost im KZ zugezogen hatte.

Seine Frau Maria heiratete nach seinem Tod erneut und lebte bis Ende der 1990er Jahre als aktive Zeugin Jehovas in Amstetten, danach zog sie zu ihrem Sohn nach Trofaiach.

Quelle: Erinnerungen seiner Frau Maria Löschenkohl aus dem Jahr 1998

 

 

Von |14. Juli 2016|Opferberichte|0 Kommentare

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