Nobis Matthias

geboren am: 15. Mai 1910 in St. Georgen bei Salzburg, Salzburg, Österreich
Bruder: Johann, geb. 16. April 1899 (Lebensbericht)
zuletzt wohnhaft: Salzburg-Gnigl, Linzer Reichsstraße (Bundesstraße) 53
gestorben am: 26. Jänner 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichtet

 

Matthias Nobis wurde am 15. 01. 1910 in St. Georgen geboren. Zuletzt wohnhaft in Salzburg-Gnigl, Linzer Reichsstraße (Bundesstraße) 53 (Turnerhof) (Quelle: Dr. Kerschbaumer). Er wurde bereits am 26.11. 1935 zusammen mit dem Glaubensbruder Franz Mittendorfer (er wurde am 6.1.1940 ebenfalls wegen Wehrdienstverweigerung hingerichtet) wegen der Verbreitung von religiöser Literatur der ZJ von einem Schöffengericht in Salzburg zu 3 Monaten strengen Arrest verurteilt.

Im November 1939 wurde er nach Wörgl einberufen, dort verweigerte er den Eid auf Hitler, am 20.12. 1939 wurde er vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, die Hinrichtung erfolgte am 26. 1. 1940 in Berlin Plötzensee. Sein Abschiedsbrief an die Mutter ist von einer Verwandten Frau Gertraud Feichtinger geb. Nobis an das DÖW übergeben worden.

Über das Leben der beiden Nobis Brüder ist sehr wenig bekannt. Unser derzeitiges Wissen beruht auf Dokumentenaussagen. Von Seiten der Verwandten gab es wenig Informationen, Gertraud Feichtinger-Nobis ist bislang die einzige, die sich mit der Geschichte ihrer Verwandten beschäftigte und bereits in den 80iger Jahren dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) Informationen wie z.B. einen Abschiedsbrief von Johann Nobis an seine Mutter zur Verfügung stellte.

Die beiden Nobis Brüder waren offensichtlich schon seit den frühen 30iger Jahren mit den Bibelforschern, wie man Jehovas Zeugen damals noch nannte, in Kontakt und gehörten daher zu den ersten ZJ im Raum Salzburg. Am 6.1. 1940 wurden 5 weitere ZJ aus Salzburg wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet.

In der Wohnung einer anderen Familie Nobis aus Lengau – es ist nicht bekannt, ob die Familie mit Johann und Matthias Nobis verwandt ist – fanden offensichtlich 1934/35 Treffen der ZJ statt, wie Johann Kranzinger, ein ZJ aus der Umgebung Strasswalchen in einem Gestapoprotokoll berichtete: „Die Wahrheit lernte ich 1933 durch Besuch eines Lichtbildervortrages (Schöpfungsdrama) in Strasswalchen kennen. Damals wurde ich von der Familie Nobis, Schwöll 18 (Friedburg), Gemeinde Lengau, zum Besuch dieses Vortrages eingeladen. Später besuchte ich bei Nobis in der Wohnung die Versammlungen.“

Es ist nicht bekannt, ob die beiden verheiratet waren. Sie gehörten jedenfalls zu den ersten ZJ, die kurz nach Kriegsbeginn zum Kriegsdienst einberufen wurden, diesen verweigerten und daraufhin auch hingerichtet wurden.

Die Republik Österreich rehabilitierte beide auf Antrag der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas am 16. 8. 2005, das heißt ihre Todesurteile wurden formal juristisch aufgehoben so wie das Urteil von Franz Jägerstätter.

„Stolpersteinverlegung“ für Johann und Matthias Nobis

Die ersten Stolpersteine in Österreich wurden für Johann und Matthias Nobis am 19. Juli 1997 in Holzhausen verlegt. Dieses Projekt wurde vom deutschen Künstler Gunther Demnig initiiert, der nach wie vor aktiv ist.
Nachdem die Steine beschädigt wurden, kam es am 11. August 2006 zur zweiten Verlegung.

Bericht über die 2. Verlegung der Stolpersteine für die Nobis-Brüder von einem Anwesenden:
„In der Gemeinde St. Georgen bei Salzburg wurden heute Vormittag (Freitag, 11. August 2006, 9.00 Uhr) in der Holzhauser Str. 32 Stolpersteine eingesetzt. Das war bereits zum zweiten Mal, nachdem die ersten Steine wahrscheinlich durch einen Schneepflug ausgerissen wurden. Die ersten Stolpersteine waren vor 9 Jahren – im Herbst 1997 waren das die ersten Stolpersteine, die in Österreich verlegt wurden – eingesetzt worden, auf Initiative des deutschen Künstlers Gunter Demnig und Dr. Andreas Maislinger, der bei seiner historischen Aufarbeitung der Geschichte der ZJ in Salzburg auf die beiden Nobis Brüder aufmerksam wurde. Mit diesen Steinen, die vor den früheren Wohnhäusern der Opfer am Gehweg angebracht werden, soll an die Opfer erinnert werden. Herr Demnig sagte mir, dass inzwischen mehr als 8.000 Stolpersteine (die meisten in Deutschland) eingesetzt wurden.

Nachdem die Steine eingesetzt worden waren, hielt Herr Dr. Andreas Maislinger eine kurze Ansprache und bedankte sich bei dem anwesenden Bürgermeister, Herrn Fritz Amerhauser, dafür, dass die Gemeinde die neuerliche Einsetzung der Stolpersteine genehmigte. Er wies auch darauf hin, dass hier Stolpersteine für zwei Männer eingesetzt wurden, die zur Gruppe der lange vergessenen Opfer, der Zeugen Jehovas, gehören. Er erwähnte lobend, dass sich Zeugen Jehovas seit Mitte der 90er Jahre darum kümmern, die vergessenen Opfer wieder in Erinnerung zu bringen. Als Beispiel nannte er Leopold Engleitner. Er meinte, Leopold Engleitner sei mittlerweile genauso bekannt wie Franz Jägerstätter und es sei auch geplant, für Leopold Engleitner einen Stolperstein einzusetzen.

Der Bürgermeister richtete dann auch einige kurze Worte an die Anwesenden und sagte, sollte es wieder einmal notwendig werden, die Steine zu erneuern, werde das wieder passieren.
Während auf den ursprünglichen Stolpersteinen „Bibelforscher“ als Religionsbezeichnung eingraviert war, steht auf den neuen „Zeuge Jehova“.
Wir waren ca. 15 Zeugen Jehovas (leider nicht mehr wegen der Kürze der Vorankündigung und Urlaubszeit). Wir waren jedoch deutlich in der Überzahl, denn von der Öffentlichkeit war außer dem Bürgermeister und einigen Gemeindebeamten und einem Verwandten der Opfer niemand dabei.
Frau Gertraud Feichtinger-Nobis war nicht anwesend.“

 

Stolperstein

verlegt 19. Juli 1997 St. Georgen bei Salzburg, Holzhauser Str. 32
2. Verlegung: 11. August 2006

 

Quelle: Brief von Gertraud Nobis an Dr. Andreas Maislinger vom 10.11.1986 (DÖW). DÖW (Hrsg.), Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945, S 325, 339-341; Herrberger, S. 406

Von |10. März 2018|Opferberichte|0 Kommentare

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