Regenfelder Aloisia, geb. Godar

  • im KZ Auschwitz

Geboren: 17. Juli 1897 in Schirmdorf/Radkersburg, Steiermark, Österreich
Eltern: Franz und Theresia Godar
Verstorben: 22. August 1978 in Gratwein, Steiermark
Verheiratet mit: Josef Regenfelder, geb. 11.3.1895, gest. 7.3.1944

Aloisia, geb. Godar, wurde am 17. Juli 1897 in Schirmdorf/Radkersburg, Steiermark, geboren. Über ihre Kindheit ist nichts bekannt. Ihre Eltern Franz und Theresia Godar verstarben 1942 in Tal bei Graz.

Aloisia heiratete Josef Regenfelder am 19.8.1929 in Graz und sie wohnten ab diesem Zeitpunkt in Graz-Eggenberg, Reininghausstraße 28/I. Die Ehe blieb kinderlos. Welchen Beruf die beiden erlernten oder ausübten ist unbekannt. Im Jahr 1941 war Josef nicht mehr berufstätig, denn in der Meldekartei wird er als „Arbeitsinvalide“ bezeichnet.
Wann die beiden zu den Zeugen Jehovas konvertierten ist bislang nicht bekannt.

Aloisia Regenfelder wurde am 15.10.1941 in Graz verhaftet und am 30.6.1942 von Ravensbrück per Sammeltransport ins KL Auschwitz (Nr. 8101) überstellt. Letzter Akteneintrag: 7.9.1943 – HKB Birkenau, Bl. 22, ab Anfang 1945 „Evakuierungstransport“ Groß-Rosen, Mauthausen, Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora, am 5.4.1945 befreit. Rückkehr nach Graz ab 21.10.1945 erneut wohnhaft in Graz, Baiernstraße 54, Triesterstraße 80, Reininghausstraße 28, Franz Steinergasse 13. Sie blieb bis zu ihrem Tod eine Zeugin Jehovas.

Auch ihr Mann Josef Regenfelder wurde laut Meldekarteikarte am 15.10.1941 verhaftet und ins Polizeigefängnis Graz eingeliefert. Am 3.5.1942 wurde er von dort entlassen. Ab 27.6.1942 ist er im KZ Dachau mit der Nummer Nr. 30667 registriert. Am 7.3.1944 verstarb er dort.

Vom KZ Ravensbrück nach Auschwitz-Birkenau

Aloisia Regenfelder wurde offensichtlich zeitgleich am 15.10.1941 mit ihrem Mann verhaftet.
Aloisia kam am 30.6.1942 vom KL Ravensbrück per Sammeltransport ins KL Auschwitz, wo sie in gestreifter Häftlingskleidung mit dem Lila Winkel und ihrer Nummer 8101 fotografiert wurde. Es befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Dutzend Zeuginnen Jehovas in Auschwitz, die ab 26. März 1942 von Ravensbrück für besondere Arbeitseinsätze dorthin überstellt wurden. Alle Zeuginnen Jehovas wurden schließlich ins Lager Birkenau, Lagerabschnitt B1a versetzt. Einige Tage später wurden sie aber ins Stabsgebäude umquartiert, damit sie sich nicht mit lagertypischen Krankheiten ansteckten, denn sie erhielten Arbeitszuteilungen in der SS-Schneiderei, in Büros, in Haushalten der SS, in der SS-Küche, im Kasino und im Lebensmittelgeschäft der SS. Welche Arbeitszuteilung Aloisia erhielt ist leider nicht überliefert.

Evakuierungstransport

Mitte Jänner 1945 beginnt für Aloisia in einer etwa 40 Zeuginnen Jehovas umfassenden Gruppe der Evakuierungstransport aus Ausschwitz, der über Groß-Rosen nach Mauthausen und Bergen-Belsen führte und schließlich in Dora-Mittelbau endete. Dieser Transport bedeutete ungeheure Strapazen und kostete einigen das Leben. Zunächst mussten sie bei Eiseskälte und bis zu knietiefem Schnee 75 km zu Fuß zurücklegen. Wer nicht mehr konnte wurde erschossen.

Else Abt, eine Glaubensschwester Aloisias, war auch bei diesem Transport dabei und sie berichtet davon:

„Welche Erleichterung brachte es, als man uns schließlich in der dritten Nacht erlaubte, uns in einer überfüllten Scheune niederzulegen. Etwas Brot, das wir mitnehmen konnten, war alles, was wir auf dem ganzen Tag zu essen hatten. Keiner von uns hätte einen weiteren Tagesmarsch überlebt. Doch dann geschah etwas, was so außergewöhnlich war, dass ich es niemals vergessen werde. Als es am nächsten Tag weitergehen sollte, sah uns ein SS-Mann, für den ich einmal gearbeitet hatte und rief laut: ,Bibelforscher hervortreten! Bibelforscher hervortreten!‘ Dann sagte er zu mir. ‘Vergewissern sie sich, dass alle von Ihnen hier sind.‘ So wurden alle 40 Schwestern zum Bahnhof gebracht, und es wurden Vorkehrungen getroffen, dass wir mit dem Zug weiterfahren konnten. Die Züge waren überfüllt. Drei von uns verfehlten irgendwie die Haltestelle und fuhren weiter nach Breslau. Dort stiegen wir aus und man zeigte uns, wie wir zum Lager kommen würden. Als wir dort am Eingangstor ankamen, konnten die Wachen überhaupt nicht mehr aufhören zu lachen und sagten schließlich: ‚Das kann auch nur Zeugen Jehovas passieren, freiwillig hierherzukommen.‘ Wir wussten aber, dass wir unsere Schwestern in Schwierigkeiten gebracht hätten, wenn wir nicht zum Lager zurückgekehrt wären.“ (Teresa Wontor-Cichy, Für den Glauben in Haft. Zeugen Jehovas im KL Auschwitz, S. 161f)

Im KZ Groß Rosen herrschten auch schon verheerende Zustände, die Frauen wurden nicht mehr zum Arbeiten eingesetzt, sondern verbrachten die etwa 14 Tage ohne viel Nahrung in den Baracken. Dann ging die Flucht vor der Rotten Armee in Richtung Mauthausen weiter. Die Zustände waren aufgrund der Überfüllung des Lagers katastrophal. Es gab zu wenige Schlafplätze, man schlief auf Holzbrettern und das Essen war knapp. Drei Tage später ging es schon wieder weiter in Richtung Bergen-Belsen. Während dieses Transportes im Zug war es den Frauen aber möglich eine religiöse Versammlung abzuhalten. Sie besprachen Texte aus dem Wachtturm und sangen Lieder. (Vgl. Hans Hesse, Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas, S. 126)
Auch im KZ Bergen-Belsen herrschten katastrophale Zustände und einige Zeuginnen Jehovas starben.

Aloisias Name findet sich schließlich auf einer Transportliste von 26 Zeuginnen Jehovas, die am 4.3.1945 ins KZ Dora-Mittelbau eingeliefert wurden. (Darunter auch Maria Moser und Barbara Nahodil aus Österrreich).

Else Abt war auch wieder dabei und sie erinnert sich:

„Ursprünglich war dieses Lager nur für Männer, doch jetzt hatte man einige Prostituierte dorthin gebracht. Der Lagerkommandant machte den Aufseherinnen jedoch klar, dass wir nicht zu dieser Art von Frauen gehörten. In Dora-Nordhausen ging es uns besser. Ein Bruder arbeitete in der Gefängnisküche und er sorgte dafür, dass wir einigermaßen gutes Essen bekamen.“ (Wontor-Cichy, S. 162)

Am 5.4.1945 wurden Aloisia und die anderen Häftlinge auf dem Weg nach Neuengamme befreit.

Rückkehr

Ab 21.10.1945 wohnte sie wieder in Graz-Eggenberg, zunächst in der Bayernstraße 54. Ein Jahr später zog sie in die Triesterstraße 80, um dann am 30.10.1946 wieder in die Reinighausstraße 28 zu ziehen, wo sie bis 1956 gemeldet war. Schließlich zog sie in die Franz Steinergasse 13, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Sie heiratete nicht mehr und blieb kinderlos. Bis zuletzt war sie als aktive Zeugin Jehovas bekannt, aber nicht dafür dass sie über 3 Jahre Konzentrationslager überlebt hat. Über ihre Erlebnisse während der NS-Zeit sprach sie offensichtlich nicht.
Sie verstarb am 22.8.1978 in Gratwein

Stolperstein für Aloisia Regenfelder: 8020 Graz, Reininghausstraße 28

Aussagen von Zeitzeugen:
Hermine Liska: „Ich kannte sie, sie war eine sehr ruhige und bescheidene Frau. Sie erzählte nie von ihrem Mann.“
Dokumente
Namensliste des Transports von Bergen-Belsen ins KZ Dora-Mittelbau vom 5.3.1945
Meldekartei
Zeugenaussage von Aloisia Regenfelder betreffend Theresia Jancic

Von |15. Juni 2014|Opferberichte|2 Kommentare

2 Kommentare

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