Stonig Rudolf

Geboren am:          18. Dezember 1902 in Kleinarl, Bezirk St. Johann/Pongau, Österreich
Gestorben am:       25. Dezember 1982
verheiratet ab 1954 mit Maria (gest. 2005)

wohnhaft:                Kleinarl 51, Wagrain, Land Salzburg
Kinder: Edelmut, Freumut, Liebmut
1938 bis 1.8.1939 Gefängnis Salzburg/Landesgericht, Verdacht auf Hochverrat
3.10.1939 Salzburg/Polizeigefängnis, Grund: Grabrede bei Begräbnis
26.11.1939 KZ Sachsenhausen, Häftlingsnummer 13661, Kommando Tongrube, Kommando
Waldreiniger, Forstamt, Straßenbau
Febr. 1943 Nebenlager/Außenkommando Alderney, Häftlingsnummer 17192, mit 17 Bibelforschern
überstellt, Baubrigade, bis zur Invasion
9.9.1944 Nebenlager/Außenkommando Neu-Sollstedt, Häftlingsnummer 100410, Lageraufbau,
Außenlager Mittelbau
April 1945 bis 4.5.1945 Nebenlager/Außenkommando Steyr-Münichholz, letzte Station der langen Flucht,
einige Tage bis zur Befreiung

 

Meine Erlebnisse im K.Z. Sachsenhausen vom 26.11.1939 bis 4.5.1945

Es war der 26. November 1939, 11 Uhr vormittags, als wir mit den Polizeiautos im Lager Sachsenhausen eintrafen. Die Polizei beschimpfte uns von den Autos aus und riefen: „Ihr Drecksäcke! Im Laufschritt durch das Tor!“ Dort mussten wir Aufstellung nehmen. Es kam der Lagerführer und hielt uns eine zynische Ansprache. Er sagte unter anderem, dass wir so lange im K.Z. verbleiben, bis wir uns geistig völlig umgestellt haben.

Nach etwa zweistündigem Warten bei kaltem, unfreundlichem Wetter wurden wir ins Bad abgeführt. Nach dem Bad mussten wir abermals Stellung nehmen und wurden befragt, warum wir hier seien.
Manche sagten, sie wissen es selbst nicht, die bekamen am meisten Schläge.
Schläge bekamen wir alle. Es waren ca. sechzig Zugänge. Nun hieß es, ins Bad eintreten, wir wurden kahl geschoren, kamen unter die warme Brause und wurden dann mit einem mächtigen kalten Wasserstrahl abgeduscht.
Ein Rechtsanwalt aus Wien wurde solange abgeduscht, bis er tot war. Er hatte angeblich Hetzartikel gegen die Nazis geschrieben.

Und nun bekamen wir unsere Zebras (Anm. Häftlingsanzüge), zogen uns an, dann hieß es, im Gänsemarsch austreten.
Bei der Tür standen ein paar SS-Männer, die schlugen noch einen jeden.
Jetzt wurden wir gemustert, die Politischen separat, die Berufsverbrecher separat, die waren am liebsten, die Asozialen, die Schwulen, die Juden und wir Zeugen Jehovas.

IHR WERDET DIE HÖLLE HABEN

Ein Bruder aus Salzburg und ich kamen sofort in die Isolierung, das heißt Strafkommando. Als wir in die Isolierung kamen, fragte uns der Isolierungsälteste, ob wir unterschreiben wollen, wir sagten „nein“. „Ihr werdet die Hölle haben“, sagte er, gleich darauf kam Hauptscharführer Pocktaller, er fragte uns gemütlich, ob wir unterschreiben wollen, wir verneinten dies wie immer, flugs lagen wir schon am Boden, wir konnten nicht so schnell schauen, wie er schlug.
Mein Kamerad war bewusstlos, er hatte an der Stirne eine Schramme.
Ich musste für 5 Minuten unter die kalte Brause samt den Kleidern dann fragte er ständig: „Willst du unterschreiben?“
Ich sagte immer „nein, nein, nein“. Dann musste ich bei Schneetreiben 2 Tage stehen und bekam am ersten Tag nichts zu essen. Mich schüttelte es nur so vor Kälte. Diese Prozedur mussten alle Zeugen Jehovas machen. So manche starben dadurch.

Als ich in die Baracke kam, gab mir der Blockälteste ein trockenes Hemd.
Er war Gegenteil von so vielen anderen Blockältesten, wie ich dann später sah.
Dann wies er mir Tisch Nr. 4 zu und ein Bett in der dritten Etage. Die Blocks waren alle überfüllt. Es waren ca. 100 Politische, 100 Berufsverbrecher und 200 Zeugen Jehovas in dem einen Block. Es gab immer Zank infolge Raummangels.

Die Politischen und Berufsverbrecher waren fast alle rückfällig, daher im Strafkommando.
Der Block bestand aus zwei Flügeln A und B, jeder Flügel hatte einen Tages- und Schlafraum, in der Mitte war das Klosett und der Waschraum.

Ich wurde von meinen Glaubensbrüdern recht herzlich empfangen, sie freuten sich, dass ich so standhaft war und nicht unterschrieb. Ich erzählte ihnen, was es in der Welt Neues gab, denn so manche waren schon fünf Jahre im KZ und Zeitungen gab es für uns keine.
Sie fragten mich, wie denn die Bevölkerung eingestellt sei, ich sagte, „sie seien wahnsinnig und zu 95% sind sie Nazis und sehr kriegsbegeistert, man hört bei jeder Gelegenheit ein brausendes „Heil“ und „Führer“, „Wir danken Dir“, rufen“. Die Volksmenge ist tatsächlich politisch besoffen. Furchtbar wird für sie das Erwachen sein. Denn wir wissen, mit Mann, Ross und Wagen wird der Herr sie schlagen.

6 JAHRE LEIDENSWEG, GUT, DASS ICH DAS IM VORAUS NICHT GEWUSST HABE

Ein Glaubensbruder nähte mir einen blauen Winkel an und Nummer 13 661 an der linken Brustseite fest und unterrichtete mich in allem, besonders in Bettenbau, der war sehr kompliziert.
So manche starben, wenn der Bettenbau nicht ganz einwandfrei war.
Sie unterrichteten mich auch, wie ich mich der SS gegenüber zu verhalten habe, damit ich nicht so leicht auffalle und Hiebe bekomme.
Wenn so ein SS-Scherge vorbeiging, mussten wir die Mütze abnehmen und die Hände anlegen, und wenn er einen ansprach, mussten wir die Hacken schlagen und still stehen usw.
Nun hatte der Leidensweg seinen Anfang genommen und das sollte fast 6 Jahre dauern, gut, dass ich das nicht im Voraus gewusst habe.

Morgens um ½ 5 Uhr war aufstehen, eine Stunde Bettenbau, Blockreinemachen, schwarzes Wasser trinken und im Winter hieß es um ½ 7 Uhr austreten, um sieben Uhr war Appell.
In Fünferreihen wurde Aufstellung gemacht, Blockweise, dann kamen die SS-Schergen, der Blockälteste kommandierte: „Mützen ab!“ und das musste wie ein Schlag sein, wenn das nicht ganz einwandfrei klappte, dann hieß es hinlegen auf hinlegen oder Kniebeuge mit Sachsengruß.
Als der Zählappell vorbei war, hieß es Arbeitskommando antreten, ich wurde in das Kommando „Garagenbau“ eingeteilt.
Häftlinge waren als Vorarbeiter eingesetzt, die SS übte die Aufsicht aus. Alles ging in Laufschritt.

Mittags wurde eine halbe Stunde Pause gemacht, wer noch Brot hatte, konnte es essen. Es gab dreihundert Gramm Brot täglich abends, die meisten aßen es auf einmal auf, die hatten dann morgens und mittags nichts.
Um fünf Uhr rückten wir ins Lager zum Zählappell ein.
Nach dem Apell gab es das Mittagessen, einen Liter Wassersuppe mit Steckrüben.
Das Essen war unzureichend. Die Bekleidung war mangelhaft.
Die Kälte war groß, der Hunger war noch größer, wir bekamen Wasserbeine und Wassersäcke unter den Augen. Wir magerten täglich ab.
Es fing ein großes Sterben an im Lager, bis zu achtzig täglich, bei einem Stand von 15.000 Häftlingen.
Wir in unserem Block hatten täglich bis zu fünf Tote. Sie starben über Nacht in den Betten, morgens beim Kaffee trinken, beim Appell.
Und wenn auch einer im Sterben lag, er musste morgens beim Läuten raus. Er wurde in den kalten Schnee gelegt zum Mitzählen.

Auf uns Zeugen Jehovas hatten sie es besonders scharf, wenn einer im Sterben lag, wurde er ins Klosett geworfen zum Sterben, manchmal wurden sie noch begossen.
Jede ärztliche Hilfe wurde verweigert. „Jehova soll euch helfen“ sagten die Peiniger.
Im ersten Winter mussten wir fast täglich Strafsport machen, hüpfen, tanzen, bis wir schwindlig wurden, Radfahren und rollen, ja oft stundenlang, bis wir alle kotzten, einer wie der andere rollte in das Gekotzte. Wir stanken oft furchtbar.
Man schlug uns oft.
Pocktaller, ein Hüne von Gestalt und Boxer, boxte den vor ihm stehenden Häftling immer in den Magen. Dreißig Häftlinge starben an Magendurchbruch.
Mich boxte er auch einmal in den Magen, so dass ich umfiel und fast nicht mehr Luft schöpfen konnte.

 

DIE STRAFEN WAREN UNMENSCHLICH

Furchtbar war das Anbinden. Man band dem Häftling die Hände am Rücken fest und hängte ihn an einen Pfahl, sodass er frei in der Luft schwebte, man ließ sie oft stundenlang hängen. Man hörte ihre Schmerzensschreie durch das ganze Lager.
Man riss sie oft noch an den Beinen, so dass sie furchtbarer schrien.
Auch wurden sie oft bewusstlos. Die Hände hingen ihnen dann wochenlang leblos am Körper, sie konnten den Löffel nicht mehr zum Mund führen.

Ebenso sah ich Fälle von Vereisung. Der Häftling wurde mit Wasser begossen und bei großer Kälte musste er stehen, bis er tot war.
Unvergesslich bleibt mir der 15. Jänner 1940. In einem Arbeitskommando, wo ich auch dabei war, unternahm ein Berufsverbrecher einen Fluchtversuch, es war 10 Uhr vormittags. Daraufhin mussten wir ins Lager einrücken, wurden geschlagen, mussten schweren Sport machen und durch eine Wasserpfütze rollen, so dass wir nass wurden, bekamen nichts zu essen und mussten abends zum großen Tor gehen und die ganze Nacht stehen. Wir waren 96 Häftlinge mit allen Farben.

In dieser Nacht schneite es, daher war es nicht zu sehr kalt. Ich hatte keine Handschuhe und durch das Hängenlassen der Hände, die ganze Nacht hindurch, schwollen sie mir stark an.
Am nächsten Tag bekamen wir wieder nichts zu essen. Vormittags mussten wir stehen und nachmittags mussten wir Kniebeugen machen mit Sachsengruß und abends hieß es wieder ans große Tor.
Es fing an furchtbar kalt zu werden. Ich strampelte mit den Füßen, was ich konnte, aber es half nichts mehr, sie wurden immer kälter und steifer.

Ein Glaubensbruder aus Salzburg sagte zu mir, „nun hat uns der Herr verlassen“. Ich sagte „nein, der Herr hat uns nicht verlassen, wir gehen nicht zugrunde, du wirst sehen, wir gehen abends noch in die Blocks“.
Dies hörte ein Berufsverbrecher er sagte, „wenn das der Fall wäre, dann glaubt er auch an einen Gott, aber …“, meinte er, „der Lagerkommandant hat befohlen, auch diese ganze Nacht zu stehen und wenn wir alle zugrunde gehen, es ist nicht schade um uns Schweine“.

Etliche fielen schon um, etliche sagte, sie gehen in den elektrischen Draht, es ist der bessere Tod als Erfrieren.
Es ging gegen sieben Uhr abends, der Wind pfiff wie noch nie, eiskalt, ich sah mich nur mehr kurze Zeit am Leben.
Auf einmal hieß es, „still gestanden, im Gleichschritt marsch“, es ging der Isolierung zu.
Ich wankte fast, die Brüder in den Blocks nahmen sich meiner sofort an, zogen mich aus und massierten mich. Sie hatten still gebetet, der Herr möge uns erretten.
Sie gaben mir Brot von ihrem wenigen, ich hatte aber keinen Appetit. Ich wollte nur schlafen und wieder schlafen.

 

MAN HATTE MIT DEM LEBEN ABGESCHLOSSEN

Was wird wohl der Morgen wieder bringen? Man hatte ja mit dem Leben abgeschlossen, dennoch hoffte man, wartete auf morgen, auf übermorgen, auf ein Ereignis, auf Befreiung. Und das sollte noch lange Jahre dauern, es war ja gut, dass man es im Vorhinein nicht wusste.

Die Kälte nahm überhand, die Arbeitskommandos wurden eingestellt, weil sich die Wachposten die Füße erfroren, und wir blieben im Block und froren.
Ganze sieben Briketts bekamen wir täglich zum Heizen, dafür wurden wir öfter gemustert, ob wir ja um keinen Lappen mehr angezogen haben, wie es Vorschrift war.
Im Freien, bei großer Kälte mussten wir uns ausziehen und dann wurde kontrolliert, wer auffiel, musste nackt durch den Schnee rollen oder den geschorenen Kopf für längere Zeit in den Schnee stecken.

Im März 1940 kam ich in die Tongrube, sie war ca. 10 km vom Lager entfernt.
Morgens fuhren wir mit dem Auto hin und abends wieder zurück.
Oberscharführer Von Tötzen übte die Oberaufsicht aus. Er war sehr sadistisch veranlagt, er schlug uns oft blutig.
Toni Raffetzeder aus Salzburg und ich mussten Steine tragen, Von Tötzen lud selbst auf, wir mussten Laufschritt machen und wenn wir nicht mehr konnten, schlug er uns mit einem Knüppel. Toni starb wenige Tage später.

Ich magerte nun bedenklich ab, bekam viele Geschwüre, ein Auge war ganz verschwollen. Die Brüder sagten unter sich, mit Stonig ist es auch bald aus.
Nun vollzog sich im Lager ein kleiner Wechsel.
Der Lagerkommandant, Vierkant hieß er mit Spitznamen, starb nach etwa viermonatiger Krankheit. Vierkant hasste uns sehr. Im September 1939 ließ er Dickmann aus Halle öffentlich erschießen.
Er zog die Sache groß auf, das ganze Lager musste antreten und er hielt eine gotteslästerliche Ansprache.
Von diesem Tag an wurde er krank, er konnte nichts essen. Die Ärzte konnten an ihm keine Krankheit feststellen. Etliche Tage vor seinem Tode sagte er, weil ich die Zeugen Jehovas verfolgt habe, darum widerfuhr mir dieses. Ebenso war auch Lagerführer Eisfeld. Er hasste uns grimmig, er wurde nach Hamburg versetzt und starb plötzlich.

Eines Tages wurde ein Kartoffelkommando zusammengesetzt, der Lagerkommandant befahl, Bibelforscher zu nehmen, denn wir waren nicht fluchtverdächtig.
Ich war auch dabei und freute mich.
Wir mussten 70 km nach einem Gutshof fahren, Kartoffeln sortieren und Autos verladen fürs Lager.
Der Gutsverwalter sagte, „aber ihr seid mager“ und schüttelte den Kopf. Er ging zum Wachhabenden und fragte ihn ob er uns Kartoffeln kochen darf. Es wurde ihm bewilligt und er kochte uns einen großen Kessel voll.
Wir waren unser sechs und jeder bekam bei 40 Stück ab. Ich fraß sie alle auf.
Man wunderte sich, wo ich sie hintat. Es war schon lange mein Wunsch, einmal genug Kartoffeln essen zu können.
Dies dauerte 8 Tage.

Mittlerweile kam der Mai und ich kam zum Kommando „Waldreiniger“.
Wir waren vier Brüder und ein politischer Vorarbeiter, dazu drei Wachposten.
Wir mussten bei einem Forstamt Gartenanlagen machen. Es war ein illegales Kommando.
Ich freute mich hier sehr in der freien Natur. Es wuchs und spross nun alles schon grün, die Blumen blühten.
Wir aßen Brennnesselblätter zu Mittag, Löwenzahnstängel mitsamt den Blüten, Wurzeln von verschiedenen Gräsern.
So mancher Wachposten stieß uns deshalb mit dem Stiefel ins Hinterteil.
Einmal schenkte uns der Forstmeister ein ganzes Beet Salat, er war ausgewachsen und blühte schon. Ein jeder bekam dreimal fünf Stauden zum Mittagessen.
Wir aßen ihn mitsamt der Blüte.

Auch bekamen wir jetzt auf Initiative des Forstmeisters Arbeitszulage in Form von Brot und etwas Margarine. Wir waren bis dato von der Begünstigung ausgeschlossen.
Diese Vitaminzufuhr merkte nun auch das bis zur Haut abgemagerte Skelett.
Es stellte sich Nachtschweiß ein, das Bett war 14 Tage lang wie mit Wasser begossen. Die wund gelegene Haut an den Hüften begann langsam zu heilen.
Die blaugefrorenen Zehen juckten sehr.

Eines Tages musste ich zur politischen Abteilung, rückte daher nicht zur Arbeit aus.
Als ich von der Abteilung zurückkam, musste ich in der Isolierung Blumenbeete begießen, denn die Isolierung sah äußerlich aus wie ein Erholungsheim.
Sie bestand aus vier Blocks, die innerhalb des Lagers nochmals mit Draht umgeben waren.
Als ich mit Blumen begießen auch nach Block 36 kam, sah ich Bruder Schneider aus Wien in Kniebeugen vor dem Block.
Ich sprach einige Worte mit ihm, sofort schrie der Blockälteste Krankeman aus dem Fenster mir zu: „Warte du kommst auch dran!“ und zum Schneider gewendet sagte er: „Komm her-ein!“ Ich hörte die Brause gehen und in einer halben Stunde kam der Totenwagen und holte den toten Schneider ab.
Das war eine der beliebtesten Hinrichtungsarten der SS und Blockältesten, die Häftlinge solange unter die Brause zu stellen, bis sie starben.
Blockältester Krankeman war ein im Lager bekannter Mörder.
Wenn die Blockführer zu ihm sagten, diesen Häftling will ich nicht mehr sehen, dann brachte Krankeman ihn um.
Abends ließ Krankeman die Häftlinge antreten und suchte sich die Leute mit den Worten, „auch du musst sterben“, „du auch“, „und du darfst vorläufig noch leben“.
Es kamen auch solche dran, die Krankeman unsympathisch waren.
Die sich dann nachts nicht freiwillig aufhängten, wurden mit Gewalt aufgehangen.
Es gab manchmal dramatische Szenen. Der Stubendienst, eben-alls Berufsverbrecher, halfen mit.
Sie alle durften sich auf Kosten der Häftlinge satt essen.
So mancher Blockältester war schlimmer als die SS, sie schlugen den ganzen Tag an den Häftlingen herum, ließen sie Sport machen, stahlen ihnen das Essen usw.
Im Block 35 war ein Fliegerleutnant, ebenfalls Häftlings-Blockältester.
Er hatte meistens Juden, davon brachte er ca. vierzig um und das oft qualvoll, zum Beispiel steckte er ihnen den Wasserschlauch in den After und drehte den Hahn auf und bei acht bis zehn Atmosphäre Druck zerriss es die Gedärme.Später fiel er in Ungnade bei der SS und beging Selbstmord.

Nun wurden wir auf Befehl der Lagerleitung von den anderen Häftlingen abgesondert, was uns sehr lieb war.
Wir konnten uns unter uns besser aussprechen, denn unter den Häftlingen gab es immer Schufte, die uns bei der SS anzeigten und zwei Glaubensbrüder wurden deshalb umgebracht.
Wir bekamen jetzt einen Blockältesten, der uns sehr schlug, mich wollte er unbedingt zur Unterschrift bewegen. Weil ihm dies nicht gelang, schlug er mich.
Er tat dies auf Geheiß der SS.

Es waren Wenige, die unterschrieben. Die Unterschriebenen bekamen mehr zu essen, brauchten weniger Sport zu machen und wurden als Aufsichtspersonen über uns eingesetzt.
Man versuchte, uns in jeder Weise klein zu kriegen, was ihnen aber nicht gelang.
Es kam Juli, August, das Lager ist auf einer Sandwüste gebaut. Es war sehr heiß.
In der Isolierung waren Häftlinge, für die keine Arbeit war. Sie mussten den ganzen Tag im Freien stehen. „Die Leute sind unnütz“, sagte die SS.
Blockältester Krankeman bekam den Auftrag, sie weniger zu machen.
Ha, das war wieder ein Fressen für den Dämon!
Er sperrte sie Mann an Mann dicht gedrängt ins Klosett, dichtete Fenster und Türen ab, und wer verrecken will, der verrecke.
Die Leute schrien drinnen vor Hitze und Atemnot und es gab immer eine Menge Tote. Die noch lebend davon kamen, sagten, die Luft war zum Schneiden, so dick.
Ein Bruder, er war erst zwei Tage im Lager, kam bewusstlos heraus, er röchelte bis 1 Uhr nachts, dann starb er.

Viele Menschen wurden im Lager verroht, täglich sahen sie die Gräuel, die an den Menschen verübt wurden und mit der Zeit gewöhnte man sich daran.
Wir gaben auch nichts für Titeln, ob der ein General war oder Professor.
Ich saß einmal 8 Tage mit Ernst Fürst Hohenberg, ein Sohn des ermordeten österreichischen Thronfolgers an einem Tisch zusammen, er war nicht mehr als der Ernst, denn sie alle aßen Steckrüben und Kartoffelschalen.
Brotdiebe wurden schwer verprügelt, meistens starben sie durch die Strafen.
Das taten die Häftlinge unter sich, sie sagten, einem das Brot stehlen, ist so viel, als einem das Leben nehmen.

Jedes kleinste Vergehen wurde von der SS mit 25 Stockhieben bestraft, zum Beispiel das Rauchen während der Arbeit, Essen oder Zigarettenstummel aufheben.
Zwei Zeugen Jehovas wurden mit dreimal 25 bestraft weil sie die Fahne nicht gegrüßt hatten. Zwei Monate später wurden sie auf Befehl Himmlers erschossen.

Die SS war so manchmal perplex über unsere Standhaftigkeit und unsere Ausdauer in Bezug auf den Glauben, den wir hatten.
Aber das Schleifen im Lager nahm kein Ende, bald so, bald anders.
Ich war immer froh, wenn der Morgenappell vorbei war und ich den ganzen Tag vom Lager nichts hörte.

Im Forstamt wurde es für mich immer besser. Der Forstmeister sah, dass ich für ziemlich so alle Arbeiten zu gebrauchen war und das passte ihm.
Ich musste seine Bienenvölker in Ordnung halten. Auch war ein Teich da, ich fing allerlei Fische mit dem Netz und fuhr in die Havel hinaus mit dem Kahn Aale fangen.
Schlug Hirsche und Rehe aus der Decke und balgte Füchse ab.
Musste sein Auto in Schuss halten, Hühner, Tauben, Kaninchen, Gänse, Enten, Schafe und seine Ziege füttern und melken, denn er hatte niemanden der dieses konnte.
Abends ging es wieder der Hölle zu.

So kam das Jahr 1941.
Bring, ein Häftling und Isolierungsältester, der uns immer schlug und bei der SS schwarz machte, wurde ins K.Z. Neuengamme versetzt.
Wir bekamen Paul Bonnemann, einen Kommunisten, der war nun ruhig und verständig er schlug uns nicht. Es kehrte Ruhe in unseren Block ein.
Und nun kam plötzlich der Krieg mit Russland. Die SS sagte, in drei Wochen ist Russland besiegt.
Wir wurden im Lager gemustert.
Ich wurde für tauglich erklärt, ein Offizier fragte mich, ob ich einen Wunsch habe, ich kann mir selbst einen Truppenteil aussuchen. Ich sagte, ich habe keinen Wunsch.
„Warum bist du im Lager?“
„Weil ich ein Zeuge Jehovas bin“, sagte ich.
„Ah, deshalb hast du keinen Wunsch.“
Ein anderer Offizier sagte zu mir, „du wirst doch Soldat, weil du den Wehrpass unterschrieben hast“.
Ich sagte, „das hat nichts zu bedeuten“, er schrie mich an, „du Vaterlandsverräter!“

Mit dem Vormarsch der Deutschen in Russland gab‘s im Lager wieder Zugänge.
Man brachte von den baltischen Ländern die Juden mit Kindern zur Liquidierung.
Die kamen in die Isolierung, um dann mit den Autos zur Schlachtung abgeholt zu werden. Sie hatten keine Ahnung, dass sie hier sterben müssen.
Es kamen auch viele Kommissionen ins Lager, auch ausländische, sie hatten verschiedene Einstellungen.
Manche verspotteten uns, manche waren erstaunt über unsere Haltung.

Ich wurde einmal vom Lagerführer herausgerufen, musste angesichts der Kommission dem Lagerführer antworten.
Er fragte mich, warum ich im Lager bin.
„Weil ich ein Zeuge Jehovas bin und sein Wort, die Bibel, als die Wahrheit anerkenne.“
Da tat die Kommission sehr erstaunt. Und weiter meinte der Lagerführer, Hitler richtet nun das Tausendjährige Reich auf, wie es in der Bibel steht.
Ich sagte, Gott Jehova wird den Gehorsamen zum ewigen Leben wiederherstellen, was Hitler nicht kann.
Nun fragte er, „ist Hitler vom Teufel oder nicht?“
Ich zögerte mit der Antwort etwas, darauf sagte der Lagerführer ich darf mich ruhig aussprechen, es passiert mir nichts. Darauf sagte ich, er ist vom Teufel gesandt.
Voll Wut sagte er zur Kommission: „Sehen Sie, diese Leute können wir nicht entlassen, kaum in der Freiheit, würden sie wieder predigen und das Volk abfällig machen.“
Er ging weg, aber die Kommission wollte sich noch gerne mit mir unterhalten.

Einmal wurde ein holländischer Bruder von einer Kommission gefragt wie es ihm im Lager geht.
„Ja“, sagte er, „ich könnte euch den ganzen Tag viel erzählen, aber der Arsch ist mir lieber.“ Da musste nun auch der Lagerführer lachen. (Anm.: Der Bruder meinte, dass er lieber schweigt, als dass er Stockhiebe dann als Strafe aushalten müsste).

 

ICH SOLLTE EIN VERRÄTER WERDEN

Nach einem Jahr wurde ich zum Lagerführer gerufen, ob ich gewillt bin, meinen Glauben aufzugeben, Militärdienst zu machen und einen Judas gegenüber meinen Glaubensbrüdern zu machen.
Ich sagte: „Herr Lagerführer, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.“
Darauf meinte er: „Dann wirst du das Lager nicht mehr verlassen.“
Ich sagte, es werden Ereignisse eintreten wodurch wir befreit werden. Mein Leben hätte mich nicht mehr gefreut, wenn ich unterschrieben hätte und mit den Nationen gelaufen wäre. Ich will lieber noch eine Mistbiene, Himmelskomiker, Drecksau usw. bleiben. So betitelte uns die SS.

Ein Politischer sagte einmal zu mir, heute war eine Kommission im großen Lager. Es waren Nazi-Pfarrer aus Polen dabei. Einer fragte ihn, warum bist du im Lager?
Weil ich ein Kommunist bin.
Darauf sagte der Nazi-Pfarrer, “du sollst nicht gegen den Strom schwimmen”.

 

MAN MODERTE TAG UND NACHT

Es kam das Jahr 1942.
Im Lager brach der Fleckentyphus aus.
Auch hatten wir schlechtes Brot. Es starben viele an Durchfall.
Und jetzt kamen tausende russische Kriegsgefangene, sie alle kamen in die Isolierung. Täglich bekamen sie nur einen Liter Wassersuppe, sie litten großen Hunger und mussten auf den Boden schlafen.
Eines Tages sagte die SS zu ihnen, ihr kommt vom Lager fort zur Arbeit nach außen.
Stellt euch in Gruppen zu 20 Mann auf, denn mehr konnte das Auto, das geschlossen war, nicht aufnehmen.
Das Auto fuhr los, aber nicht in die Freiheit, sondern in den Industriehof, das war ein Zubau zum Lager, dort mussten sie vor einer Baracke Aufstellung nehmen und einzeln eintreten. Sie kamen in einen Raum, da waren mehrere SS anwesend.
Einer saß zu Tisch mit einem weißen Doktormantel, fragte den Eintretenden, ob er gesund sei.
Der Russe stellte sich ahnungslos auf einen Messapparat hin, der Deckel klappte herunter, automatisch löste sich ein Schuss und ins Genick getroffen, fiel der Russe hin. Berufsverbrecher trugen ihn hinaus und es kam der nächste.
Dies war alles so raffiniert gemacht, dass einer wieder andere ahnungslos hineingingen und sich auf den Messapparat stellte.
Es kamen jeden Tag drei-, vier- oder fünfhundert dran. Die Toten wurden aufgestapelt wie das Brennholz.
Man konnte nicht so viel verbrennen wie man mordete.
Es wurden sechs kleine Krematoriums gebracht mit Ölfeuerung.
Nun war Hochbetrieb. Man mordete, man verbrannte Tag und Nacht.
Es stank furchtbar nach verbranntem Menschenfleisch im Lager, denn die kleinen Krematorien, welche fahrbar waren, hatten keine Kamine.
Es wurde nur das Fleisch verbrannt, die Knochen wurden in eine große Grube geschüttet, denn die Zeit eilte, Berge von Leichen warteten.
So manch ein Scheintoter bewegte sich wieder in dem aufgestapelten Leichenhaufen.
Er schrie in seinen Schmerzen, er war schlecht getroffen, rein ins Feuer damit zum Sterben, zum Verbrennen.
Ja, so sah Hitlers Deutschland aus!
Der Herrenmensch in seinem Blutrausch. Im zwanzigsten Jahrhundert, auf der Stufe der Kultur.
Eines Tages stellte man plötzlich das Morden ein, die Politischen erzählten sich im Lager, Russland habe ein Ultimatum gestellt, dass, wenn Hitler nicht aufhört russische Kriegsgefangene zu töten, Russland dasselbe mit den deutschen Kriegsgefangenen machen wird.
Ich sehe sie heute noch, wie sich die Russen drängten, ein jeder wollte der erste sein um von der Hölle los zu werden und sich satt essen zu können, wie es ihnen versprochen wurde.
Hitler war mächtig, er hat nicht gerechnet, dass es einen Allmächtigen gibt.
Wehe der Menschheit, wenn dieser Tyrann gesiegt hätte.
Er fand auch genug Helfer, die sich mit großer Wollust an den Gräueln beteiligten.
Angesichts dieser Grausamkeiten kann man solche Menschen noch als Menschen bezeichnen! Nein, nie, niemals, sie sind Bestien, Dämonen!
Sie hassen den Nächsten ohne Grund. Sie haben Blut vergossen wie Wasser.
Und das sollte tausend Jahre so weiter gehen?
Ein SS-Mann fragte einen Häftling: „Wie lange werden wir regieren?“ „Tausend Jahre“, war die Antwort.
„Ewig werden wir herrschen“ sagte der SS-Mann und schlug den Häftling.
Es waren dreizehn Jahre übergenug für diese Dämonen.
Dies war wieder hinter uns, was wird das nächste sein?
Ich bekam nun heftigen Durchfall, magerte bis zum Skelett ab und konnte kaum mehr Appell stehen.
Das Kommando „Waldreiniger“ wurde eingestellt, ich kam zum Straßenbau, Steine tragen.
Wir wurden schwer verfolgt im Lager.
Sauer, ein alter Bibelforscherfresser, wurde Lagerkommandant.
Etlichen Brüdern wurden 25 (Anm.: Stockhiebe) aufgezählt, weil ein paar Bibeln gefunden wurden in den Betten.

Im Oktober wurde eine Baubrigade zusammengestellt, bei tausend Häftlingen, darunter 56 Brüder.
Wir kamen strafweise dazu, „zum Eingehen“, sagte der Lagerkommandant.
Ich kam nach Duisburg zur Aufräumungsarbeit mit 500 Häftlingen, die anderen 500 kamen nach Düsseldorf.
Hier in Duisburg hatten wir ein großes N.S.V.-Gebäude zum Abtragen, es wurde sinnlos gearbeitet.

Die Vorarbeiter, meistens Berufsverbrecher, schlugen den ganzen Tag auf den Häftlingen herum, die Leute auf der Straße pfiffen als Protest.
Plötzlich fiel wieder eine Mauer um, es gab wieder Tote, überall waren Häftlinge an den Ruinen gestellt, um sie zu unterhöhlen.
Das Essen war denkbar schlecht, die SS verschob alles an die Hurenweiber.
Eines Tages bekamen wir einen Oberscharführer, der in Ordnung war, das Essen wurde besser.

Ich wurde im Lager behalten, als Tischler bekam ich in der Küche separat oft etwas und erholte mich schnell, denn ich war in einem bedauernswerten Zustand gewesen.
Wir machten hier etliche Fliegerangriffe mit, aber unser Lager blieb unversehrt.
Später, als wir wegkamen, wurde es zerstört nach Aussage eines SS-Mannes.

 

IM VIEHWAGGON DURCH HALB EUROPA

Im Februar hieß es packen, auf der Kanal-Insel-Alterny.
Wir fuhren über Holland, Belgien nach Frankreich zum Hafen St. Malo.
Dort blieben wir 3 Tage in der Kaserne Baiernhof.
Das Wetter war schön, wir sahen das Meer und freuten uns.
Am dritten Tag um sechs Uhr abends stiegen wir in das Schiff und fuhren nach Alterny. Es war ein kleiner Prachtdampfer mit nur einem Laderaum. Dicht gedrängt hockten wir beisammen. Nach etwa dreistündiger Fahrt brach ein Sturm los, die Wellen schlugen manchmal über die Bordwand.
Uns war sehr übel durch das Schaukeln. Viele riefen den Ulrich an, das heißt, sie kotzten.
Wir waren sehr froh, als wir in den Hafen Alterny einlangten.
Nun, wie sah die Insel aus?
Der Eindruck war gut, sie liegt am Golfstrom und ist sieben Kilometer lang und drei Kilometer breit, aber sehr windig.
Wir kamen ins Lager Silt, fanden dort nur ein paar Baracken vor. Nun hieß es, Baracken bauen.
Ich war nun Zimmermann. Als sie fertig waren, wurde ich wieder Tischler im Lager.
Später wurde ich auf Kommando hinausgeschickt in die vom englischen Zivil verlassene Stadt, in dessen Häusern jetzt die Soldaten wohnten.
Als Tischler musste ich diese Wohnungen reparieren, durfte oft ohne Posten ausgehen zur Arbeit.
Draußen baute ich Reisekoffer und handelte von den Soldaten Lebensmittel ein.
Im Großen und Ganzen brauchte ich auf dieser Insel weniger hungern.

Aber die Sehnsucht nach Freiheit wurde in mir immer größer und wenn das Wetter schön war, sahen wir nach Cherburg in Frankreich und sagten, wann wird das Schiff kommen und die endgültige Freiheit bringen?
Aber es zog sich immer wieder hinaus.
Wohl sahen wir, dass der Kreis um Deutschland immer enger wurde.
Über die Insel flogen viele englische und amerikanische Flieger, was immer heftige Flakfeuer auslöste. Einen Bomber schossen sie einmal ab. Die Flieger sprangen mit dem Fallschirm ab und ertranken im Meer.

Das Essen war anfangs gut im Lager.
Der bekannte Oberscharführer aus Duisburg, der bei den Häftlingen sehr beliebt war, verwaltete den Proviant. Die SS mochte ihn nicht leiden, sie lockerte bei seinem Motorrad ein paar Schrauben, er verunglückte bei der Fahrt schwer und wurde dienstuntauglich.
Wir bekamen einen sogenannten Volksdeutschen aus Polen, der bestahl uns sehr. Es wurden viele Häftlinge infolge der Unterernährung arbeitsunfähig. Sie wurden mit dem ironischen Namen „Muselmann“ benannt.
Es starben auch viele.
Wenn wir am Meeresstrand arbeiteten und es war mittags Ebbe, dann klopften wir uns die Muscheln von den Steinen und kochten sie. Die Russen aßen sie oft roh, dafür stanken sie fürchterlich.

Das Meer war hier fast ständig in Wellung.
Hie und da kam eine Mine angeschwommen, die Soldaten schossen darauf, und wenn sie es zur Explosion brachten, schoss eine hohe Wassersäule in die Luft.
Auch waren Möwen im Meer.
Der Wind blies manchmal furchtbar, wir hatten das Gefühl als wenn wir nackt wären.
Natürlich war unsere Kleidung mangelhaft. Auch hatten wir massenhaft Flöhe. Ich fing manchmal 20 bis 30 Stück. Dann nahmen wieder die Läuse überhand.

Im ersten Halbjahr hatten wir wenig Freizeit. Wir mussten immer wieder das Lager ausbauen.
Im Dezember 1943 hieß es plötzlich packen und es ging nach Frankreich. Wir wurden auf einen kleinen Frachtdampfer Mann an Mann gepfercht, erstickten fast, konnten nicht austreten, es war finster.
Die Russen (Anm.: verrichteten ihre Notdurft) in die Schüsseln, die sie zum Essenempfangen mit hatten.
Sie sagten Miska dazu und schütteten es auf unsere Köpfe aus. Die einen kotzten wieder die anderen an. Es stank fürchterlich, aber man sah nichts und konnte keinen Täter fassen.
Die Häftlinge schlugen sich, es war ein unerträglicher Zustand.

Wir fuhren nach Cherburg.
Anderthalb Tage mussten wir im Schiff bleiben, dann wurden wir in die Viehwaggons getrieben und warteten vier Tage auf die Abfuhr.
Auf einmal hieß es wieder, alles auswaggonieren und zurück zur Insel Alterny.
Der Lagerkommandant hatte auf eigene Faust gehandelt. Er wollte von der Insel weg.
Wir sagten, vielleicht ist es gut so, dass wir wieder zurückkommen.
Wie wir später hörten, sollten dort, wo wir hinkommen sollten, viele Häftlinge durch Bombardierung zugrunde gegangen sein.
Wir kamen in Cherburg auf acht Tage in die Rommelkaserne und hatten Rasttage.
Dann ging es wieder zurück zur Insel Alterny.
Bei der Rückfahrt wieder derselbe Jammer mit dem kleinen Schiff.
Wir landeten wieder in Alterny und die gewohnte Arbeit ging weiter.

Nun kam der 6. Juni 1944.
Es war Mitternacht, wir schliefen und wurden durch ein ungeheures Brummen in der Luft geweckt.
Die Invasion hat bekanntlich begonnen und wir freuten uns auf die baldige Befreiung.
Unsere Peiniger, die SS, bekam nun Reisefieber, als sie sahen, dass die Alliierten immer weiter in Frankreich vorgingen und eines Tages acht Jagdbomber auf der Insel erschienen und auch auf unser Lager drei Bomben warfen, war es mit ihrem Mut vorbei. Es wurde fast alles auf der Insel zurückgelassen, was Kleider und dergleichen war. Wir fuhren um Mitternacht zur Insel Quernsei und von dort zur Insel Jersey.
Die Bewohner nickten uns Häftlingen freundlich zu und hielten uns die Daumen und die SS war zornig über sie.
In Jersey hielten wir uns drei Tage auf, dreimal stiegen wir in das Schiff, es kam aber immer der Befehl zum Aussteigen. Feindliche Einheiten sind gemeldet.
Am vierten Tage hieß es, unter allen Umständen Abfahrt nach Saint Malo.
Die Matrosen waren betrunken, sie sagten, wir sehen schwarz, es ist in letzter Zeit keine Überfahrt ohne ein paar Schiffsverluste möglich gewesen. Nun, wir stachen in See und waren auf alles gefasst.
Es war stockfinstere Nacht, die Schiffe fuhren um sechs Stunden länger als gewöhnlich, sie machten einen Umweg. Nach den Ufern Frankreichs fuhren sie nach dem Hafen Saint Malo.
Die Hafenverwaltung war erstaunt, dass wir unbeschadet ankamen.
Der Kapitän vom Häftlingsschiff sagte uns, bei Feindberührung hätte er den Auftrag gehabt, uns sofort zu versenken, aber er meinte, er hätte es verweigert.

Was nun in Saint Malo?
Vier Wochen lang ging schon kein Zug mehr, Autos standen auch keine zur Verfügung.
Die SS beschloss, trotz Partisanengefahr und Tiefflieger mit der Eisenbahn zu fahren.
Viehwagen wurden zusammengestellt und am dritten Tag um zehn Uhr abends fuhren wir ab nach Nantes.
Die anderen Verbindungen waren entweder schon zerstört oder schon besetzt. Wir fuhren ungefähr zwei Stunden, dann kam ein Tiefflieger und schoss in die Lokomotive. Wir warteten ein paar Stunden, bis die nächste Lok kam und fuhren weiter.

Es trat Nebel ein, wir hörten immer wieder die Flieger, aber sie fanden uns nicht.
Es mag gegen neun Uhr vormittags gewesen sein, als der Zug vor einer Station in einem kleinen Einschnitt still stand.
Wir hörten Flieger und guckten durch das mit Stacheldraht vergitterte Fenster.
Wir sahen, wie der Bomberverband die Bomben ausklinkte, es sah aus, als wenn die Bomben unseren Zug treffen würden.
Wir warfen uns zu Boden, es krachte, aber es galt der Brücke, die ein paar hundert Meter entfernt von uns lag. Ein paar Trümmer bekamen wir auch ab.

Wir fuhren meistens nur mehr nachts und standen wieder irgendwo ein paar Tage.
Eines Tages waren wir in Tuers, standen einen Tag beim Bahnhof, abends wurden wir von der französischen Bahnverwaltung einen Kilometer hinausverschoben, was uns auch das Leben rettete, denn um neun Uhr abends kamen drei Bomberverbände und bombardierten alles kurz und klein. Sie warfen auch sehr viele Zeitzünder.

Am nächsten Tag mussten wir alle zur Arbeit antreten, damit wir wieder fahren konnten.
Alles wurde eingesetzt zur Arbeit, Battollio Soldaten, französische Partisanen, die mussten Zeitzünder ausgraben.
Am ersten Tag gingen schon vier Franzosen in die Luft, fünfzig Meter von mir entfernt.
Ein Franzose wurde vierzig Meter wie er stand, pfeilgerade in die Luft geschleudert. Es war ein schauriger Anblick.
Es kam der dritte Tag.
Ich schaufelte Bombentrichter zu mit noch drei Glaubensbrüdern, deren Namen lauten: Gudat, Aschmudat und Höfler. Nilsen, ein dänischer Student und Russen waren auch dabei.
Zur Bewachung waren Soldaten eingesetzt, die Oberaufsicht übte die SS aus.
Ein Soldat kam zu mir und fragte mich warum ich ins KZ kam.
Ich erzählte ihm, dass ich um meines Glaubens willen hier bin, was ihm aber nicht gefiel, denn er war Nazi.

Er fragte mich, ob ich Feuer habe, ich verneinte, Gudat hatte Feuer, er ging auf den Soldaten zu, gab ihm Feuer, in diesem Moment explodierte eine Bombe.
Es war alles stockfinster, ich war im ersten Moment wie gebannt, Steine und Sand fielen herab auf mich, ich hielt die Hände schützend auf dem Kopf und fing an zu rutschen.
Ich dachte, es sollte mit mir in die Luft gehen. Als sich der Staub verflogen hatte, sah ich mich um. Ach, das ist ja nicht zum Glauben! Ich stieg aus dem soeben hochgegangenen Bombentrichter.
Die SS sah es und schüttelten die Köpfe. Lange danach erzählten es sich noch die Häftlinge und die SS.
Ich hörte Jammern und Schmerzenslaute. Der Soldat lag da, es wurde ihm fast der Fuß abgerissen, am Kopf blutete er, Russen lagen tot herum, der dänische Student Nilsen hatte einen Schreianfall, er blutete aus der Schläfe. Es gab noch eine ganze Reihe Verwunderte.

Aber wo waren meine drei Glaubensbrüder?
Sie saßen wohlbehalten beisammen, nur Aschmudat hatte durch den Sand Hautabschürfungen, er hatte bei der Arbeit kein Hemd an, da es furchtbar heiß war.
Wir gingen dann zum Bombentrichter und stellten fest, dass, wenn Gudat dem Soldaten kein Feuer gegeben hätte, er mitten auf der Bombe gestanden wäre.
Wir konnten den Zeitzünder vorher nicht sehen, da er von einer anderen Bombe zugeschüttet wurde. Ich kam mit dem bloßen Schrecken davon, auf meinem Haar lag fingerdick der Staub und Sand. Das war hinter uns, was wird das nächste sein?

Am dritten Tage fuhren wir ab nach dem Fall. Der Lokomotivführer wurde mit vorgehaltenem Revolver gezwungen zu fahren. Wir fuhren nach Angers und sahen hunderte von kaputten Lokomotiven. Wir fuhren weiter nach Tull und Senn.
Auf der Fahrt nach Tull fragten die Häftlinge im Waggon 11 die Wache, ob sie singen dürfen.
Es wurde ihnen erlaubt und sie sangen: „Da drüben am Waldesrand liegt die neue Zeit“ usw.
Während sie sangen, bohrte ein Pole, welcher Autoschlosser war und bei Tage das Auto des Lagerkommandanten reparierte und dann den Bohrer und Säge in den Waggon schmuggelte, in die Bordwand ein Loch, sägte sie durch und einer nach dem anderen schlüpfte hinaus.
Das Singen wurde immer matter und hörte dann ganz auf. Die Wache sagte, singt noch eins. Es antwortete niemand auf der anderen Hälfte.
Sie machten Licht, aber oh Schreck, die Vögel sind ausgeflogen in die neue Zeit zum Waldesrand!

Der Zug wurde zum Halten gebracht, aber die Häftlinge blieben verschwunden.
Der Kommandant war sehr zornig, er befahl, dass der ganze Transport am nächsten Tag nichts zu fressen und zu trinken bekommt.
Der nächste Tag war sehr heiß, wir standen im Totengeleise, die Waggontüren wurden geschlossen.
Die Läuse bissen uns sehr.

Wir hielten es fast vor Hitze nicht mehr aus, wir zogen uns nackt aus und abwechselnd wurde mit einem großen Stück Pappe Wind gemacht zur Abkühlung. Es wurde neun Uhr abends, es begann finster zu werden. Nun kam die Wache herein, oh je, Marion ist auch dabei, er hat erst gestern zwei Russen erschossen und nur deshalb, weil er den Befehl gab, während der Fahrt alles hinlegen und es tat ihnen nach Stunden die Seite weh und drehten sich um.
Er sagte, das ist Fluchtverdacht.
Er war ein Volksdeutscher aus Krakau und Student.
Wir nannten solche „Beutegermanen“, denn sie wurden von Hitler erbeutet.

Marion war ein ausgesprochener Mordbube, er mordete durch ganz Frankreich.
Die Toten wurden oft nur in den Bahnhöfen liegen gelassen oder auch neben den Bahngleisen eingescharrt. Überall in den Stationen wussten die Franzosen schon von uns. Sie knirschten mit den Zähnen gegen die SS. Als Marion hereinkam, musste sofort der Waggon in der Mitte in einer Breite von zwei Metern geräumt werden.

Wir in unserem Waggon 12 hatten Bretter drinnen zum Sitzen. Wir mussten so auf den Brettern sitzen, wie man auf einem Pferd sitzt, Mann an Mann und die Hände dem anderen auf die Achsel legen. Wir alle waren noch nackt, da es noch sehr schwül war.
Marion und sein Spießgeselle, ebenfalls ein Beutegermane aus Rumänien, setzten sich zur Waggontüre, die eine gute handbreit offen war, damit die zwei Besessenen Luft hatten.
Das Gewehr, bzw. Maschinenpistole hatten sie schussbereit in der Hand.
Licht hatten sie kein beständiges.
Es mag so gegen 12 Uhr gewesen sein, als plötzlich ein Russe „dowei Ruski“ rief (das heißt „Auf Russen“).
In diesem Moment sprangen neun Russen hoch, stürmten zur Waggontüre, rissen sie auf und verschwand in der finsteren Nacht. Dies war alles eine Momentsache. Sie sprangen über die Posten hinweg. Als die Posten zur Besinnung kam, waren sie schon fort.
Alle anderen blieben ruhig sitzen. Diese Neun hatten es sich geheim abgemacht.
Die Posten machten Licht, schauten uns blutgierig an, dann sagte Marion: „Ich werde euch schon helfen fürs Weglaufen“ und schoss mit seiner Maschinenpistole in die von mir entgegengesetzte Waggonhälfte.
Er schoss die Magazine leer, lud wieder und schoss wieder in dieselbe Richtung.
Zwei Magazine á 25 Schuss schoss er in die Waggonhälfte, wo ich war.
Ich stellte mich ganz hinten an die linke Ecke auf die Bank.
Der andere Posten gab zuerst ein paar Schüsse als Haltsignale bei der Waggontüre hinaus, dann schoss er fleißig mit.
Der Zug stand nun still.
Die SS hatte eingebaute Maschinengewehre in den Waggons, sie schossen Leuchtspurgeschosse den in den Wald entlaufenen Russen nach.
Im Wald aber befand sich deutsches Militär, die glaubten sich von den Partisanen angegriffen und gaben Gegenfeuer. Ich hörte, wie die Kugeln die Waggonwände durchbohrten.
Die zwei Besessenen hörten auf zu schießen und klemmten die Augen zu vor Angst.
Als das Schießen vom Wald her aufhörte, schossen sie wieder weiter, bis alles am Boden lag.
Auf derselben Bank in der ersten Reihe stand ein Bruder, Richard Glons.
Sie erblickten uns als die letzten.
Der Rumäne schoss ihn in die Hüften, er sank zu Boden.
Marion schoss mit seiner M.P. zweimal auf mich. Ich spürte fast das Mündungsfeuer im Gesicht. Unwillkürlich machte ich einen Schrei und tat eine abwehrende Handbewegung, ich wollte nicht sterben, obwohl ich so manchmal den Tod herbeiwünschte, wenn ich krank war oder beim Verhungern war.

Nun, ich wollte gesund werden und den Tag der Befreiung immer näher kommen sehen und dass die Feinde der Gerechtigkeit es nicht glauben können, dass sie verlieren müssen, das will ich noch kosten. Diesen Triumph will ich noch erleben.
Aber ich fiel nicht um, wie durch ein Wunder verfehlte er mich auf so eine kurze Entfernung.

Nun schrie mich der Rumäne an, „auch du musst hin werden, du Hund“ und hob sein Gewehr, aber er brachte es nicht höher als auf die Hüften, dann schoss er auch wieder fehl, er hatte nämlich zwei Querschläger abbekommen, einen am Ellenbogen und einen am Handrücken durch das Militär vom Wald her, folglich konnte der Besessene die Hände nicht mehr hochbringen.
Draußen schrie nun die SS „Feuer einstellen“, darunter auch Untersturmführer Kulman. Er sagte, es sind auch anständige Leute drinnen, Bibelforscher und dergleichen, dann kam er zu Waggontüre, schaute herein, sah einen Haufen Tote liegen und sagte zu mir, „lebst du noch, Stonig?“
Er konnte mich gut leiden.

Nun kam der Lagerführer, grinste zu Tür herein und sah sein Werk, denn er war es, der die Posten immer und wieder zum Morden anfeuerte und sagte, lieber zwanzig erschießen als einen laufen zu lassen.
Als die Posten aufhörten zu schießen, schoss noch so ein verrückter Scharführer mit dem Revolver von außen in die Ecke des Waggons, er traf mich am linken Oberschenkel, außerdem hatte ich den Bauch voller Holzsplitter vom Ausschuss. Ich war noch immer nackt.

Im Waggon röchelten die Sterbenden. Es stöhnten die Schwerverletzten, hier wimmerte noch ganz leise ein Russe, er hielt sich die Hände über den von Eingeweiden leeren Bauch. Denn der Besessene (Rumäne) schoss mit Leuchtspurgeschossen.
Furchtbar sah ein Teil der Toten aus, sie hatten Löcher im Leib wie eine Faust.

Marion gab nun den Schwerverletzten den sg. Gnadenschuss, darunter war auch Richard Glons, der von dem Rumänen den Hüttenschuh erhielt.
Nun kamen drei Häftlinge unbeschädigt unter den Toten hervorgekrochen, sie hatten sich totgestellt und blieben dadurch am Leben, es waren zwei Berufsverbrecher und ein Glaubensbruder aus Holland mit Namen Baumann.

Der Wagenälteste, ebenfalls ein Berufsverbrecher blieb auch unbeschädigt, er stand während der Schießerei bei den Posten, ihm taten sie nichts.
Es gab bei vierzig Tote, die anderen fünfzehn waren leichter verwundet.
Unter den Toten waren Russen, Polen, Deutsche, ein holländischer Glaubensbruder und ein Ingenieur aus Holland.

Mit unserem Zug fuhren im letzten Waggon Panzersoldaten von der Hermann-Göring-Panzerdivision. Sie holten sich neue Panzer. Darunter war auch ein Ritterkreuzträger. Er guckte uns blutdürstig an, hetzte bei der SS und sagte, alles umlegen!
Ich suchte meine Kleider zusammen, sie waren durchschossen und mit Blut getränkt.
Ich zog sie an, denn mich fröstelte jetzt. Ein Häftling, welcher Arzt war, verband uns notdürftig. Die Toten wurden alle auf einen Haufen zusammengeworfen.
Da sah Marion, dass ein Russe, der schwer verwundet war, noch lebte, er gab ihm einen Schuss in die Brust.
Dann lachte er und sagte, „der Russe hätte in die Hose geschissen“ und gab ihm noch einen Schuss.
Der Zug fuhr längst weiter.

Ich musste bis nächsten Tag neun Uhr im Waggon bleiben. Es stank sehr, der Boden war eine Blutlache. Die Toten wurden hinausgetragen und neben dem Geleise eingebuddelt. Ich kam in einen anderen Viehwagen mit den Verwundeten.
Hier traf ich ein paar Glaubensbrüder, die hatten Querschläger abbekommen vom Militär im Walde. Ein Bruder ist im Waggon 13 tödlich getroffen worden, sagten sie mir.
Wir kamen in Dijon an, es war gerade Fliegeralarm, wir wurden in einen Tunnel geschoben.
In einer Stunde fuhren wir weiter, Paris wurde links liegen gelassen. Der Zug fuhr wieder bei Tage, Tieffliegergefahr bestand keine mehr.
Wir kamen nun nach fünfwöchentlicher Todesfahr in der Ortschaft Kotenmarkt in Belgien an.
Wir kamen in ein Schulgebäude, dass die Klosterschwestern räumen mussten. Ich war nun sehr froh, endlich auf Stroh schlafen zu können. Meine Wunde begann zu eitern, aber in vier Wochen war ich wieder arbeitsfähig.

Hier in Belgien gefiel es mir gut, die Bevölkerung war uns sehr zugetan, sie winkten uns KZ-ler immer lebhaft zu und beschenkten uns reichlich.
Auch das Rote Kreuz trat an die SS heran und baten, uns beschenken zu dürfen. Merkwürdigerweise wurde es ihnen erlaubt.

Das Französische Rote Kreuz in Frankreich wurde von der SS abgewiesen, denn wir sind lauter Mörder und Diebe, sagten sie. Dasselbe sagten sie auch zu den Belgiern, aber sie glaubten ihnen nicht.
Sie brachten uns nun Obst, Milch, Eier, Zuckerl, Tabak usw. und das oft, in der Woche zweimal.
Die Außenkommandos wurden immer reich beschenkt, aber die SS verbot es. Die Außenkommandos hatten Soldaten zur Bewachung und die erlaubten es zum Großteil, weil sie sich auch satt fressen konnten. Ich persönlich habe nur zwei Tage bei einer Motorpumpe mit einem politischen Häftling aus Berlin gearbeitet. Wir gingen durch die Ortschaft Langemarkt, die Posten waren Soldaten, es regnete. Wir standen bei einem Schuppen unter, dies sah die Bevölkerung. Nun kamen sie mit Lebensmitteln angelaufen, was sie Zuhause vorfanden, brachten sie. Marmelade, Zucker, Brot, Speck, Obst und Bier.
Auch einer vom Roten Kreuz kam mit dem Fahrrad an, er brachte uns gute Bäckereien.
Überall von Häusern boten sie uns Tabak an.

Aber sie hassten die SS. Sie ermunterten uns, „bald ist der Krieg aus“, sagten sie und „ihr werdet frei!“
Eine Frau erzählte uns, die Amerikaner seien nur mehr zwanzig Kilometer von uns und richtig, als wir abends ins Lager kamen, hieß es, „morgen fahren wir nach Deutschland. Belgien wird geräumt und von dort wird es wieder zurückerobert.“
So manche Häftlinge sagten, das wird wieder eine Todesfahrt werden wie in Frankreich und sie sannen auf Flucht.

Marion, der Mordbube, sah, dass der Krieg für Deutschland verloren war, er schlug sich jetzt auf die Seite der Häftlinge. Morgens früh ging er mit ca. vierzig Häftlingen durch, er hatte Torwache mit noch einem Posten von fünf bis sechs Uhr morgens.
Es war finster, die Häftlinge drängten sich beim Tor hinaus und liefen davon.
Der eine Posten schoss etliche nieder und Marion lief mit.
Aber nachmittags um zwei Uhr kam er wieder zurück und meldete dem Lagerführer, er hatte die Häftlinge verfolgt, konnte aber nicht schießen weil er Ladehemmung gehabt hat.
Er wurde entwaffnet und es wurde ihm gesagt, er komme vor ein deutsches Kriegsgericht.
Nachmittags wurden wir zum Bahnhof gebracht, und zwar fuhr ich mit einem Auto, das eine Planenhülle hatte und von außen zugeschnürt wurde, so dass wir nicht entweichen konnten.
Auf einem Anhänger war die Wache, die gab nun einen Warnungsschuss ab, es kamen die Tiefflieger.
Die Posten liefen fort, die Plane hatte Löcher, wir guckten durch und sahen, wie der Tiefflieger sich neigte und waren auf eine Salve gefasst. Aber oh Wunder, er tat uns nichts.
Überall auf den Chausseen standen von den Tieffliegern zusammengeschossene Autos herum.
Nachts fuhren wir ab.
Ein Bataillon Soldaten fuhr auch mit zur Bewachung. Die SS fühlte sich zu schwach. Diesmal hatten sie zwei Fliegerabwehr (30,7 ?) Maschinengewehre mit.

Am nächsten Tag hatten wir schon einen Tieffliegerangriff. Sie schossen einem ein Loch in den Flügel, dann hauten sie ab. Die Deutschen verließen in großer Hast das Land.
Wir hörten in einer Nacht bei dreißig Detonationen, sie sprengten Brücken und Munitionsdepot und zündeten ihre Benzinvorräte an.

Die belgische Bevölkerung gab unverhohlen durch Gebärden ihre Freude zum Ausdruck. Nun kamen wir nach Brüssel, auch hier räumten die Deutschen in großer Hast die Stadt, man sah brennende Autos auf den Straßen. Wir standen ein paar Stunden auf dem Bahnhof, dann ging es weiter. Es war der letzte Zug mit dem wir fuhren. Als wir durch den Stadtrand fuhren, schrien die Posten „hinlegen, wir werden beschossen“ und in der Tat, ein Weib saß hinter einem Haufen alter Kisten und mit einem Maschinengewehr beschoss sie den Zug.

Die SS schoss nun aus allen Rohren, sie schossen auf Passanten der Straße, in die Fenster, auf dem Felde erschossen sie eine Mutter mit ihrem Kind. Die Fliegerabwehr schoss das Weib am Maschinengewehr tot, dann schossen sie Brandgeschosse in die Häuser, es brannte sofort alles. Nach einer viertelstündigen Fahrt mussten wir wieder retourfahren nach Brüssel, die Strecke war schon von den Alliierten besetzt.
Wir fuhren dann eine andere Strecke nach Holland.
Auf der Fahrt dorthin bei der Nacht, behauptete ein Posten, die Häftlinge hätten ihm das Bajonett gezogen, es fehlte nicht viel und sie hätten wieder auf uns geschossen.
Sie durchsuchten alles und schlugen uns, fanden aber nichts.
Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es seine Kammeraden hatten, sie leisteten sich einen schlechten Witz während er schlief.

Auf der Fahrt nach Holland versuchten die Tiefflieger, unsere Maschine zu beschießen, was ihnen aber nicht gelang. In Holland fuhren wir lustig weiter, es schien uns keine Gefahr mehr zu drohen, aber wir täuschten uns. Wie wir so dahin fuhren, unterhielt ich mich stehend mit einem Kameraden und plötzlich, auf einen Schlag stand der Zug.
Ich stand auf dem Kopf, eine Bombe, riefen etliche. Nein, sagte ich, eine Zugentgleisung.
Und richtig, Partisanen hatten in einer Kurve eine Schiene gelockert und die Maschine entgleiste. Es gab etliche Tote und Verletzte.
Ein Tag und eine Nacht wurde gearbeitet, eine neue Lokomotive kam und die Fahrt konnte weiter gehen.

Die SS schickte Streifen aus, um die Attentäter zu suchen. Sie brachte sechs Männer, bei einem fanden sie eine Revolverpatrone. Das genügte der SS und sie wurden alle sechs erschossen. Marion bekam wieder sein Gewehr und musste Dienst machen. In einer Nacht verschwand er mit einem tschechischen Posten. Nun fuhren wir von der Unglücksstelle Einhofen ab nach Deutschland.

Wir kamen nach Northausen und sollten ins Lager Dora, wo die V 2 Waffen hergestellt wurden. Aber sie schickten uns nach Sollstett.
In Sollstett kamen wir in ein Salzbergwerk, sechshundert Meter tief unter der Erde.
Es wurde aber kein Salz gefördert, sondern die Stollen wurden vergrößert und dann kamen achtzig Waggon SS-Bekleidung, die sie von Oberschlesien brachten, hinunter. Hier in Sollstett fanden wir nichts vor, weder Baracken noch Wäsche und dergleichen.

 

ICH VERFAULTE AM EIGENEN LEIB

Im ersten Monat schliefen wir in einer offenen Beförderungshalle. Wir mussten wieder ein neues Lager aufbauen.
Mit dem Essen ging es anfangs zu halbwegs, aber es wurde später so schlecht, dass manche Häftlinge wieder vor Hunger starben.
Auch mit meiner Gesundheit ging es abwärts, ich bekam ein hochgeschwollenes Knie und am 1. Dezember 1944 legte ich mich schwer krank nieder, hatte hohes Fieber. Fünf Wochen lag ich im Fieber. Ich faulte am lebendigen Leib. Am Knie und Knöchel trat Blutausfluss ein, ich war furunkelös.
Die Hände schwollen an und ich bekam am ganzen Körper eitrige Blasen, die sich dann blau färbten. Ich wurde von heftigen Schüttelfrost befallen und es war soweit zum Sterben.

Der Krankenpfleger, ein Kommunist aus Hamburg, er war schon 12 Jahre im KZ, pflegte mich und sagte, „Stonig, du darfst nicht sterben, du bist nun solange im Lager und jetzt willst du sterben, wo uns bald die Freiheit winkt?“
So langsam wurde es besser, fast vier Monate war ich arbeitsunfähig. Und heute leide ich noch.

Von den tausend Häftlingen, die auf der Insel Alterny waren, sind nur mehr vierhundert hier. Die einen starben, die anderen wurden umgebracht, etliche wurden entlassen und etliche türmten.
Das Lager wurde aufgefüllt. Es kamen ehemalige Wehrmachtssoldaten, allerlei Schattierungen, Deserteure, Kameradschaftsdiebstahl, Schwule und Kommunisten.
Es waren viele Unverständige dabei, die ihren Kameraden zum Nachteil waren. Sie waren aber auch körperlich ganz herunter. Sie wurden streng behandelt. Mit uns Alten hatten sie nun mehr Nachsicht. Diese Soldaten wurden zum Blitzableiter. Auch unternahmen sie immer wieder Fluchtversuche und wurden dafür schwer bestraft.

Ein Geometer aus Graz, er war mir sympathisch, ging stiften, wurde aber erwischt, und weil seine Kameraden eine ganze Nacht Strafe stehen mussten, waren sie sehr erbost darüber.
Der Lagerkommandant befahl, er muss Spießruten laufen und seine Kameraden schlugen ihn bewusstlos.
Der Lagerführer befahl dem Häftlingsarzt, bis Mittag muss der Häftling wieder klar sein, dann kommt Fortsetzung. Nachmittags hieß es, er hat sich aufgehängt. In Wirklichkeit soll ihn ein Wiener mit Namen Geandl mit einer Hacke erschlagen haben.

Ich wurde vom Oberscharführer Widmer beauftragt, im Bahnhof eine große Schuppe zu bauen, suchte mir zehn passende Kameraden aus und machte mich an die Arbeit. Tiefflieger kamen, wir bemerkten sie erst, als sie uns beschossen. Ich kollerte hinter die Bahnböschung zu Deckung. Die Front kam immer näher. Der Zugsverkehr wurde lahmgelegt.
Um den 10. April herum hieß es, aufmachen, und wir gingen 70 Kilometer zu Fuß.Die Tiefflieger rasten durchs Land, guckten uns an und taten uns nichts. Wir kamen an Nordhausen vorbei, die Stadt wurde vor drei Tagen bombardiert, sie brannte noch, aber Haus war keines mehr ganz.

Etliche Einwohner, die von der Stadt übrig blieben, jammerten und sagten, „oh Gott, was haben wir verbrochen, dass uns dieses wieder passierte.“
Ich sagte zu meinen Kameraden, „sie haben den wahren Gott verlassen und haben sich Hitler zum Gott gemacht und helfen mit, Blut zu vergießen.“ Hitler fing zuerst an die Städte zu bombardieren, so zum Beispiel Warschau, Rotterdam, London und viele Deutsche freuten sich. Und da es nun auf ihren Kopf zurückkommt, merken sie erst, dass es Unrecht ist.

Wir wurden schon sehr müde von dem Marsch. Die Posten schimpften und schlugen auf uns herum. Es wurde Rast gemacht auf freiem Felde.
Ein englischer und deutscher Jäger kamen daher und kämpften über uns ein paar hundert Meter, die Kugeln pfiffen auf uns herab, wir stoben auseinander, ein Russe bekam einen Bein-schuss ab. Der deutsche Jäger stürzte zu Boden.
Der Marsch ging weiter.
Ich war von meiner Krankheit noch immer nicht gesund, wurde ganz matt und konnte fast nicht mehr gehen. Von einem anderen Lager kam ein Auto, lud uns auf und brachte uns zum Ziel. Nach dreitägigem Warten wurden wir in die Viehwaggons verladen und fuhren nach Berlin. Auf der Fahrt dorthin, bei Sangerhausen, flog knapp vor der Lokomotive eine Schiene in die Luft. Die Lokomotive konnte, bevor sie entgleiste, abgebremst wer-den.
Nach dreistündiger Reparatur fuhren wir weiter nach Berlin. In Berlin angekommen, standen wir in Grunewald.

Es war Fliegeralarm. Es kamen viele Bombengeschwader und sie bombardierten Berlin, dass es nur so dröhnte. Wir durchfuhren das zerstörte Berlin und sollten in das Lager Sachsenhausen zurück. Sie nahmen uns nicht mehr auf, sondern schickten uns nach Wittenberge. Von dort schickten sie uns wieder nach Berlin zurück. Wir fuhren wieder durch Berlin. Sie wussten nicht mehr, wohin mit uns. Die Eisenbahner erzählten uns, der Russe ist nur mehr dreißig Kilometer von der Stadt entfernt. Alle sah man fieberhaft bei den Schanzarbeiten.

Wir fuhren nach Dresden und von dort nach Pilsen in die Tschechei. In Pilsen angekommen, hörte die SS wieder Kanonendonner, sie machten wieder kehrt. Kreuz und quer durchfuhren wir die Tschechei. Wir hatten sehr unter den Tieffliegern zu leiden. In Kattowitz in Böhmen standen wir kaum 10 Minuten, dann stürzten vier Tiefflieger auf uns herab und zerschossen die Lokomotive. Auch sahen sie die SS stehen und schossen darauf, die SS türmte.

Unsere Waggontüren standen offen und da auch die Kugeln die Waggons trafen, liefen auch wir in den daneben stehenden Jungwald. Die Flieger flogen uns nach und feuerten in den Jungwald, dass es nur so donnerte. Als das vorüber war, feuerte die SS auf uns.
Ein Beutegermane aus Ungarn, Ernst hieß er, der hatte es besonders eilig auf uns zu schießen, er schrie auch einen Posten an, so schieße doch, es war auch ein Ungar.
Er war sehr gut zu uns Häftlingen und sagte immer, er erschießt niemanden, er schoss nun auch einen Häftling tot. Als er sah, was er gemacht hatte, war er sehr beschämt, er konnte uns nicht mehr in die Augen sehen.
Da lagen nun allerhand Häftlinge tot herum, erschossen von den Fliegern und von den SS-Schergen.
Aber bei einhundertvierzig Häftlingen gelang es doch, zu entkommen.
Ein paar Tage später hatten wir nochmals einen schweren Fliegerangriff in einer kleinen Station in Böhmen. Wir standen ein paar Stunden im Bahnhof, es wurde Essen ausgegeben, die Wache zog einen Kreis um den Zug. Auf einmal stürzten vier Flieger auf uns herab, zerschossen die Maschine und beschossen auch die Waggons. Wir stürzten aus den Waggons auf den Lagerplatz und suchten hinter den Holzstößen Deckung, aber die Jäger waren hartnäckig, sie flogen auf der anderen Seite der Holzstöße heran und beschossen uns.
Wir liefen wieder um den Holzstoß herum und deckten uns, einer stieß den anderen um vor Eile, einer legte sich auf den anderen, es war zu wenig Deckung für alle. Immer hieß es kämpfen ums nackte Leben.

Aber mein Leben liegt in der Hand Gottes Jehovas und ohne seine Hilfe wäre ich heute schon längst nicht mehr am Leben. Auch in Klattau mussten wir drei Tage am Bahnhofsgeleise liegen, damit wir wieder fahren konnten. Bei der Bombardierung im Bahnhof Klattau wurde auch ein Lebensmittelzug erwischt und wir fanden Büchsenfleisch und Margarinewürfeln.
Tat das gut, wir konnten uns satt essen!

Drei Tage standen wir in Tschetat, dreißig Kilometer von Prag.
Ich musste ein paar Tage in die Gemüsefabrik arbeiten gehen. Ich kam in ein Abteil, wo lauter Weiber arbeiteten, die mir zu essen gaben. Wir unterhielten uns gut.
Die Fahrt ging weiter nach Budweis und dann nach Österreich. Überall sah man von den Tieffliegern durchschossene Lokomotiven und Waggons.
Und jetzt sind wir in Österreich, das ich beinahe sechs Jahre nicht mehr gesehen habe.
Es hieß wir kommen nach Mauthausen, mich grauste schon wieder, aber sie nahmen uns nicht auf und schickten uns nach Bischofshofen, den bombardierten Bahnhof in Ordnung zu bringen.
Aber wir kamen nur mehr bis zur Stadt Steyr, aller Bahnverkehr war lahmgelegt. Vier Tage blieben wir in den Waggons. Die Häftlinge erzählten sich in den Waggons, es dauert nur mehr Tage und wir werden befreit.

Dies hörte ein alter Posten mit über sechzig Jahren. Er sagte zu einem anderen Posten, „hörst du, was sich die Häftlinge erzählen, wir müssen in die Waggons schießen.“ Er war ein sehr fanatischer Nazi und hatte viel am Gewissen. Er hatte eine Bulldogge, die hetzte er oft auf die Häftlinge. Auch war er ein Vielfraß, er fraß auch der Dogge das Fressen weg, so dass sie verendete. Die Russen sagten, er sei hässlicher als seine Dogge.

In Münichholz, vier Kilometer von Steyr war ein kleines Lager. Man brachte uns dahin.
Es vergingen ein paar Tage im Lager, ich stand mit dem Hamburger Kommunist, welcher mich pflegte als ich krank war, in der Ecke des Lagers. Plötzlich liefen die SS aus den Baracken mit Koffern und dergleichen in den Wald. Ich fragte, „nun, was ist denn jetzt los?“
„Ja“, sagte der Hamburger, „jetzt türmen die Feigen, sie waren nur bei den Wehrlosen Helden“.
Gleich darauf hörten wir die Panzer schießen.
Die Häftlinge liefen und zogen ein weißes Leintuch hoch und wir freuten uns alle sehr, nach langen schweren Jahren endlich von der braunen Pest befreit zu sein.

Wir blieben noch zwei Tage im Lager, bis sich der Kampf gelegt hatte, dann zogen wir aus dem Lager nach Hause entgegen.
Wir Brüder nahmen einen Gummianhänger, luden drei kranke Brüder auf und kamen nach Bad Hall. Dort kehrten wir bei einem Müllermeister ein. Dieser schlachtete ein Schwein und gab uns zu essen und wir blieben bei ihm über Nacht. Ein Amerikaner schenkte mir ein Fahrrad und ich trennte mich von den Brüdern und fuhr nach Hause.

Die anderen Glaubensbrüder zogen nach Deutschland weiter.
In Schwanenstadt blieb ich bei einem Schaukelbudenbesitzer über Nacht, die Einwohner schenkten mir Geld und Lebensmitteln. In Frankenmarkt traf ich Bruder Greisberger aus Gnigl, der ebenfalls aus dem KZ Mauthausen kam, wo er fast sieben Jahre schmachtete. Ich freute mich sehr, dass er noch lebte. Wir schliefen auf einen Heuboden über Nacht.

Viele Leute kamen, als sie mich in der Zebrauniform sahen, aus den Häusern und brachten mir zu essen, was mich sehr freute. In Morzg bei Salzburg blieb ich ebenfalls wieder über Nacht. Am nächsten Tag kam ich zu Hause in Kleinarl an.

Ich hatte noch immer etwas Fieber und Durchfall, war zerrissen und hatte die Wohnung verloren. Von einer gewissen Gruppe von Menschen wurde ich noch gehasst.
Als ich in Kleinarl 1938 verhaftet wurde, waren sie bis auf einige alle Nazis.
Als ich 1945 wiederkam, waren sie alle Nazigegner.
Sogar der illegale Bürgermeister sagte zu mir, er sei immer gegen die Nazi gewesen.
So ist der Mensch von heute!

 

 

1938 bis 1.8.1939 Gefängnis Salzburg/Landesgericht, Verdacht auf Hochverrat
3.10.1939 Salzburg/Polizeigefängnis, Grund: Grabrede bei Begräbnis
26.11.1939 KZ Sachsenhausen, Häftlingsnummer 13661, Kommando Tongrube, Kommando Waldreiniger, Forstamt, Straßenbau
Febr. 1943 Nebenlager/Außenkommando Alderney, Häftlingsnummer 17192, mit 17 Bifo überstellt, Baubrigade, bis zur Invasion
9.9.1944 Nebenlager/Außenkommando Neu-Sollstedt, Häftlingsnummer 100410, Lageraufbau, Außenlager Mittelbau
April 1945 bis 4.5.1945 Nebenlager/Außenkommando Steyr-Münichholz, letzte Station der langen Flucht, einige Tage bis zur Befreiung

Erinnerungsbericht Rudolf Stonig
Zur Verständlichkeit und Lesbarkeit wurden einige Satzteile korrigiert, ergänzt oder weggelassen.

Quellen: Knöller (gemeinsam in Steyr befreit); Kupka (Zusammen 1.SS-Baubrigarde)
Dokumentationsstelle Mittelbau-Dora (DMD)
DÖW Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes
Maislinger Andreas: Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945, Bd 2, Öst. Bundesv., 1991, Seite 332, 333
Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium, Oldenburg, 1999, Seite 474

Von |29. Juli 2016|Opferberichte|0 Kommentare

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