Tschoggl Franz

Geboren: 26. April 1926 in Leoben, Steiermark, Österreich
Gestorben: erschossen am 19. September 1944 in HST Kopenhagen
Eltern: Johann Tschoggl, geb. 14.8.1875, Juliane Tschoggl (geb. Reiter), geb. 8.7.1896
Brüder: Rudolf, geb. 25. Mai 1927, Maximilian, geb. 4. Oktober 1929

1934 wurden die Eltern Johann und Juliane Bibelforscher. 1938 wurden die Kinder den Eltern weggenommen, um sie dem religiösen Einfluss zu entziehen. Franz besuchte die Volksschule in Donawitz und später die Pestalozzischule. Die Kinder verweigern den Hitlergruß und kamen in das Kinderheim in Donawitz. Sie mussten täglich Schläge und andere Misshandlungen über sich ergehen lassen. Da die Eltern mit den Kindern Kontakt hielten, wurde beschlossen, den noch immer bestehenden Einfluss durch Besuche der Eltern zu verhindern. Die Kinder kamen zu Bauern in die Oststeiermark. Jeder zu einem anderen Bauern, ohne die jeweils anderen Familienmitglieder darüber zu informieren, wo sich der andere befand. Nicht einmal die Eltern erfuhren, wo die Kinder waren.

Franz kommt zu Pflegeeltern nach Trössengraben (Kirchberg an der Raab, Oststeiermark). 1944 kommt Franz wieder nach Donawitz zurück und arbeitet kurzfristig als Geschäftsdiener in einem Gemischtwarengeschäft. Da er bereits 18 Jahre ist, gibt es schon mehrere Einberufungen, denen er nicht Folge leistet.

Verhaftung

Am frühen Morgen des 27. Juli 1944 wird Franz direkt aus dem Bett von der SS abgeholt und nach Kiel gebracht. Er schickt am 2.8.1944 eine Postkarte und schreibt, dass er am Nachmittag des 29. Juli angekommen ist und jetzt immer um die Baracke spazieren geht. In einem Feldpostbrief vom 10.8.1944 schreibt er von gesundheitlichen Problemen mit den Ohren. Am 13.8.1944 schreibt er: “bin wieder wo anders dazu gekommen, Ort unbekannt”. Am 25.8.1944 schreibt er, dass er mit Angina im Krankenhaus liegt, am 30.8.1944, dass er 6 Tage im Lazarett war und immer noch keinen Dienst machen darf. Es kommen weitere Briefe in die Heimat, jedoch teilweise mit verwirrtem Inhalt.
“… in Kiel wahr ich bei 4 so Tieren, dimich fast zerissen haben, dadruch bin ich heute noch in Behandlung”. Im nächsten Brief: “Deile euch etwas besonderes mit, bitte schrekt euch nicht, so haben sie mich  zuletzt fotogrfiert und komme morgen vor das K.G. (Kriegsgericht) am 7.9.1944 wie es ausgeht, weis ich noch nicht, hoffentlich gut”. Im Brief vom 18. 9. schreibt er dann: “… kan euch mitteilen, das es damal vorleufig gut ausgegangen ist aber komme noch einmal diesmal wird die endscheidung fallen, aber hoffe ehr wird mir auch diesmal helfen”.

(auf eine Korrektur der Rechtschreibung in den Briefen wurde verzichtet)

Das war der letzte Brief von Franz an die Eltern. Einen “eigenartigen” Brief bekam die Familie Tschoggl einige Zeit später – eigenartig deshalb, weil darin berichtet wird, Franz sei bei einem Straßenkampf gefallen …

Ein Kapitänleutnant Habermann schreibt:

“Ich hatte als Kompaniechef die schmerzliche Pflicht, Ihnen telegraphisch durch die Ortsgruppe Ihres Wohnortes mitteilen zu lassen, dass Ihr am 29. Jule ds. Jahres in die Kriegsamrine eingestellter Sohn Franz am 19.d. Mts gefallen ist. Ihr Franz fiel um 12.45 Uhr bei einem Einsatz im Straßenkampf durch Herzschuß aus einem Infantriegewehr bei einem überraschenden Feuerkampf, dem auch mehrere Soldaten seiner Truppe zum Opfer fielen. Im Namen der Kompanie und besonders im eigenen Namen spreche ich Ihnen das herzliche Beileid aus. Ihr Franz fiel für Deutschlands Größe und Zukunft. Das Opfer, das Sie dem Vaterland gegeben haben, soll nicht umsonst gewesen sein. Wir schließen die Reihen enger und kämpfen solange weiter, bis der so schwer zu erstreitende Endsieg errungen ist. Das ist uns Verpflichtung und zugleich unser Dank, den wir unseren Gefallenen an der Front und in der Heimat schulding sind. Die Beerdigung der Gefallenen erfolgt hier im ? am 23. d. Mts. um 11.00 Uhr.”

Bericht von Rosa Jarosch: Franz Tschoggl wurde wegen Wehrdienstverweigerung erschossen

 

 

Von |31. März 2013|Opferberichte|0 Kommentare

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