Unterbrunner Franz

Geboren: am 12. November 1886 in Molln
War verheiratet mit Franziska, geb. Priestner
Vier Kinder (Eine Tochter)
Gestorben: 19. Jänner 1940, laut Nachricht an seine Frau starb er an Gehirnschlag; laut Aussage vom Mithäftling Valentin Eder, war Franz Unterbrunner verhungert

Franz Unterbrunner zog in jungen Jahren von zu Hause weg und lernte das Handwerk des Rauchfangkehrers. Schließlich übernahm er das Gewerbe seines Chefs. Einige Zeit später kaufte er sein Elternhaus zurück und die Familie übersiedelte in die Ramsau.

Das Wohnhaus der Familie Unterbrunner entwickelte sich bald zum Zentrum der neuen Glaubensgemeinschaft.
Franz Unterbrunner wurde zum Zunftmeister ernannt und engagierte sich auch in politischer Hinsicht als überzeugter Sozialist. Die Familie Unterbrunner wird von den ehemaligen Nachbarn als äußerst gastfreundlich und hilfsbereit beschrieben.

Wie wenig Mitleid das Regime hatte, wurde bei der Verhaftung von Franz Unterbrunner deutlich.
Die Tochter von Franz Unterbrunner wollte gerade das Haus verlassen, um nach den Schafen zu sehen, als fremde Männer im Hof standen und sie schroff aufforderten, im Haus zu bleiben. Während das ganze Haus durchsucht wurde, musste Franz Unterbrunner seine Sachen packen. Man beschlagnahmte das Grammophon und biblische Literatur. Franz Unterbrunne konnte sich nicht einmal von seinen Lieben verabschieden.

KZ Dachau

Am 16. Juni 1939 kam Franz Unterbrunner in das KZ Dachau. Er erhielt die Häftlingsnummer 33804.

Im September 1939 wurde das Lager Dachau kurzzeitig geräumt, um SS-Verbände auszubilden. 144 Zeugen Jehovas wurden deshalb von München in das Oberösterreichische Konzentrationslager verlegt, unter ihnen auch alle männlichen Bibelforscher aus Molln. Was sie dort erwartete, war noch viel schlimmer als die „Hölle“ von Dachau! Als die Zeugen von Dachau kommend um Mitternacht aus dem Viehwaggon kletterten, wurde ihnen gleich gesagt: „Mauthausen ist kein Sanatorium wie Dachau; wir werden euch alle kaputtmachen“ (Aussage des Zeitzeugen Alois Moser).

Außerdem wurden ankommende Zeugen Jehovas von dem gefürchteten Hauptscharführer Spatzenegger, der diese Häftlingsgruppe gerne als „Himmelskomitee“ und „Bibelwürmer“ bezeichnete, mit den Worten begrüßt: „Kein Zigeuner und kein Bibelforscher wird hier lebend wieder herauskommen. Höchstens kommt ihr alle nur durch den Kamin des Krematoriums wieder heraus!“ (Zeitzeugenbericht von Hubert Mattischek).

Dazu kam die spärliche Nahrung im Lager, die die Gefangenen in kürzester Zeit bis auf das Skelett abmagern ließ. Sie waren in solch schlechtem Gesundheitszustand, dass sich sogar die Besatzung im Lager Dachau entsetzte, als ein Trupp Häftlinge von Mauthausen in das Lager nach München zurückkehrte.

Als einer der Söhne von Franz Unterbrunner Fronturlaub hatte, beschloss er gemeinsam mit einem Sohn von Franz Bichler, nach Mauthausen zu fahren und nach den Vätern zu sehen. Da Ersterer ein Angehöriger der Wehrmacht war, dachten die beiden, würden sie wohl Zutritt erlangen. Doch sie täuschten sich. Schon am Eingangstor wurden sie mit den Worten verjagt: „Macht, dass ihr nach Hause kommt!“

Ende Jänner 1940 erhielt Ehefrau Franziska Unterbunner eine Nachricht, dass ihr Mann am 19. des Monats an einem „Gehirnschlag“ gestorben sei. Erst Jahre später kam durch den zurückgekehrten Valentin Eder ans Licht, dass Franz Unterbrunner in Wahrheit verhungert war.

 

Unterbrunner Franziska, geb. Priestner

1939 wurde Franz Unterbrunner verhaftet. Einige Wochen später holte man auch Franziska ab. Nun war niemand mehr da, der sich um die zum Teil noch minderjährigen Kinder kümmern konnte. Nach einigen Tagen kehrte Franziska nach Hause zurück, doch schien sie völlig verändert. Verschlossen und in sich gekehrt nahm sie ihre Arbeiten im Haus wieder auf und suchte kaum noch Kontakt zu anderen.

 

Quelle: Roland & Claudia Donabauer, „Für die Welt sind wir lebendig tot“ – Jehovas Zeugen aus Molln widerstehen dem NS-Regime, 2009

Die Marktgemeinde Molln errichtete 2003 für die Opfer aus Molln: Franz Bichler, Maria Dürnberger, Valentin Eder, Zäzilia Hauser, Maria Mittenhuber, Cäcilia Mollnhuber, Anton Spießberger, Franz Unterbrunner und Josef Unterbrunner ein Denkmal, das an die zivilen Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnern soll.

Von |18. Januar 2015|Opferberichte|1 Kommentar

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