Wernitznig Johann

Geboren am: 18. Mai 1896, Kärnten, Österreich
Wohnort: Dragantschach, St. Stefan im Gailtal, Kärnten
Familie: 1 Schwester
verheiratet mit: Mathilde Nageler, geb. 23.4.1898, aus Stockenboi, Hochzeit 23.10.1927

Johann Wernitznig wuchs auf dem elterlichen Bauernhof, vulgo Schmalzer, in Dragantschach auf. Er war durch sein freundliches Wesen bei den Dorfleuten sehr beliebt und fiel dadurch auf, dass er sich mit Bereichen befasste, die damals in der Landwirtschaft nicht üblich waren. Er züchtete beispielsweise Truthähne, Enten, Gänse und Pfaue. Sehr früh zeigte sich seine musische Begabung. Er lernte verschiedene Instrumente, unter anderem Ziehharmonika, Zither, Geige und Bassgeige. Außerdem gründete er eine Musikgruppe, die sich Samstag und Sonntag bei ihm traf, um Hausmusik zu spielen.

Am 23.10.1927 heiratete er Mathilde Nageler (geb. 23.4.1898) aus Stockenboi, die eine uneheliche Tochter und eine Bibel mit in die Ehe brachte. Dieser Umstand sollte das Leben Johann Wernitznigs grundlegend ändern. Er befasste sich nun ausführlich mit der Bibel und kam sehr bald dahinter, dass die Lehren seiner Kirche nicht mit den Lehren der Heiligen Schrift übereinstimmten.

Kontakt zu Zeugen Jehovas

Johann suchte Kontakt zu Zeugen Jehovas. Als er sich überzeugt hatte, dass die Bibel das Wort Gottes ist, zogen er und seine Gattin die Konsequenzen und gaben ihren Kirchenaustritt der Bezirkshauptmannschaft Hermagor am 5.2.1930 bekannt. Die Bibel faszinierte ihn so sehr, dass er sich beinahe Tag und Nacht damit beschäftigte. Da musste, zum Leidwesen seiner Mutter, auch manchmal die Arbeit in der Landwirtschaft warten. Er war sehr gastfreundlich, es kamen viele Bibelforscher zu Fuß oder mit dem Bus auf seinen Hof.

Johann war ein fleißiger Mann und sprach gern über die Bibel. Sein Nachbar Dr. Erath meinte, dass Johann alle Bibelverse auswendig wusste und stundenlang darüber diskutieren konnte. Er fand bald einen Freund in Herrn Treul, mit dem er Leute aus seiner Umgebung aufsuchte, um über die Bibel zu diskutieren. Herr Treul wanderte allerdings noch vor Kriegsausbruch nach Amerika aus. Die Schwester von Johann Wernitznig, welche Herrn Krieber heiratete, war bald von der Bibel überzeugt und bekannte sich als Bibelforscherin.

Wehrdienstverweigerung

Johann verweigerte am 23.12.1938 den Wehrdienst.

„Er wurde vom Gericht der 3. Division wegen erschwerter Gehorsamsverweigerung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, die er zum Teil im Gefängnis des Amtsgerichtes Hermagor verbüßte. Der damalige Gerichtsvorsteher Dr. Trost, ein ehemaliges Mitglied des Heimatschutzes, befürchtete das Eingreifen der Gestapo und setzte sich deshalb mit dem ebenfalls antifaschistisch gesinnten Gerichtsarzt Dr. Hussa ins Einvernehmen. Dann bewog er die Gattin Wernitznigs, für ihren Gatten den Antrag auf vollständige Entmündigung wegen religiösen Wahnsinns zu stellen, und Dr. Hussa betonte in seinem ärztlichen Gutachten, dass dieser Zustand bereits zum Zeitpunkt der Einberufung vorgelegen habe. So gerüstet beantragte Dr. Trost dann die Wiederaufnahme des kriegsgerichtlichen Verfahrens und die Aufhebung der Strafe (Aufhebungsbeschluss des Gerichtes des XVIII. A. K. v. 6.7.1939). Als Wernitznig aber im Frühjahr 1943 neuerlich einberufen werden sollte, stand zu befürchten, dass er sich wieder weigern und den Tod riskieren würde. Die Verschwörer weihten deshalb den gleichfalls antifaschistisch gesinnten Leiter des Wehrmeldeamtes Hermagor, den einstigen Gymnasialdirektor Dr. Pointner ein, und gemeinsam erreichten sie es, dass Wernitznig mit 10. Mai 1943 ‘für völlig untauglich zum Dienst in der Wehrmacht’ erklärt wurde und den Ausmusterungsschein erhielt, obwohl schon zuvor im Wiederaufnahmeverfahren ein Militärarzt Wernitznig für gesund erklärt hatte (Schriftl. Bericht von Landesgerichtsrat a. D. Dr. Trost v. 2.11.1946. In: Walzl 1994). Der Wehrdienstverweigerer selbst aber hatte nun keinerlei Möglichkeit zu Protest und Verweigerung mehr. Dieses Rettungsmodell für Wehrdienstverweigerer besticht auf den ersten Blick und seine Anwendungsmöglichkeit auf alle diese Verweigerungsfälle ist nicht bestreitbar – es ist aber anderseits von sehr vielen Begleitfaktoren abhängig, nämlich nicht nur vom guten Willen mehrerer beteiligter verkappter Antifaschisten, sondern auch von der Chance, eine Heil- und Pflegeanstalt zu vermeiden, denn diese konnten damals manchmal ein ausgesprochenes Gefahrenmoment darstellen“ (Walzl 1994, 241f ).

Johann verblieb weiterhin auf seinem Bauernhof und bekam den Auftrag, die Milch jeden Tag mit seinem Pferdefuhrwerk nach Hermagor zu fahren. Von seinen Nachbarn erhielt er den Spitznamen „Tota Véra“, was so viel wie „dieser Glaubensmensch“ bedeutet. Johann verstarb auf Grund eines Krebsleidens im Villacher Landeskrankenhaus am 5.5.1948. Er durfte am Friedhof von St. Paul bestattet werden, jedoch im hintersten Winkel und ohne Gedenktafel. Seinen Hof übernahm seine Frau, die 1983 verstarb.

Quelle: Gerti Malle: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht.“ Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten. 2011 Kitab-Verlag Klagenfurt-Wien

Von |28. November 2016|Opferberichte|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein um einen Kommentar schreiben zu können.