Wohinz Eduard

geboren: am 4. August 1898 in Laibach (Jugoslawien)
Vater: Johann Wohinz
Mutter: Anna Wohinz
gestorben: am 3. März 1942 (lt. Melderegister am 30. Mai 1942), im Schloss Hartheim vergast
kein Foto vorhanden

Eduard Wohinz wurde am 4. August 1898 in Laibach geboren. Seine Mutter hieß Anna und sein Vater Johann. Über seine Kindheit ist nichts bekannt. Welchen Beruf er erlernte ist ebenfalls nicht gesichert, er wird von Zeitzeugen als Lehrer bezeichnet, im Melderegister steht Handelsangestellter. Ab März 1930 wohnte er in der Schubertstraße 35, heute Weissenkircherstraße 35 in Graz- Eggenberg bei seiner Lebensgefährtin Elfriede Bayer, geb. 1.1.1901 in Laibach. Die Gemeinschaft blieb offensichtlich kinderlos.
Er wurde evangelisch getauft, konvertierte wahrscheinlich Anfang der 1930er Jahre zu den Bibelforschern, wie Zeugen Jehovas damals noch genannt wurden. Er dürfte in Graz unter den Zeugen Jehovas eine verantwortliche Funktion gehabt haben, denn er wird von Olga Haring als derjenige bezeichnet, der 1934 zusammen mit Eduard Payer biblische Vorträge in einem kleinen Gastlokal am Rande der Stadt hielt.1)

Eduard Wohinz wird auch von anderen Zeitzeugen erwähnt. Sie bezeichneten ihn als Lehrer2), der sehr behilflich war. Er fuhr z. B. zwei Mal im Monat mit dem Rad in die Südsteiermark nach Gamlitz um Familie Letonja im Glauben zu stärken, da sie dort die einzigen Zeugen Jehovas waren.3)

Er half auch dem jungen Zeugen Jehovas Ernst Reiter Anfang der 30er Jahre beim Verfassen eines Schreibens an die Heeresbehörde mit der Bitte um Rückstellung vom Militärdienst.

Am 1.6.1938 wurde Wohinz von der Gestapo in Graz verhaftet . Er ist nachweislich der erste Zeuge Jehovas aus der Grazer Gruppe, der verhaftet wurde. Er wurde im Gestapogefängnis in der Paulustorgasse bis 6.10.1938 festgehalten, dann kam er ins Gefängnis des Landesgerichts Graz bis 5.2.1939. Danach wurde er nach Wien überstellt. Von dort wurde er am 11.2.1939 ins KZ Dachau eingeliefert und wurde zur Nummer 32.442.

Am 27. September 1939 überstellte man Eduard Wohinz zusammen mit vielen anderen Häftlingen – darunter auch 144 Zeugen Jehovas – in das Konzentrationslager Mauthausen. Der winterlichen Kälte und der schweren Arbeit im dortigen Steinbruch war er nicht mehr gewachsen und so wurde er wie viele andere auch am 18. Februar 1940 als Nummer 1442 nach Dachau rücküberstellt. Zwei Jahre konnte er in diesem Lager durchhalten, dann wurde er am 3. März 1942 erneut verlegt.

Seine letzte Reise war ein „Invalidentransport“ ins angebliche „Erholungslager“ Hartheim bei Eferding in Oberösterreich. Dort wurde er wahrscheinlich unmittelbar nach dem Eintreffen vergast.
Er war einer von mindestens 1452 Häftlingen, die der Sonderbehandlung 14f13 zum Opfer fielen. Im Rahmen dieser Aktion wurden kranke und nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge von Konzentrationslagern nach einer “Begutachtung” durch Ärztekommissionen in Tötungsanstalten verbracht und dort mit Gas ermordet.
Im Schloss Hartheim waren dies Häftlinge aus den Konzentrationslagern Dachau, Mauthausen und Gusen. Sie wurden teils mit Bussen aus den Fuhrparks der Konzentrationslager, teils mit Bussen der “Aktion T4″ transportiert. Die Opfer wurden in Hartheim noch einmal einem der Ärzte vorgestellt – dies diente lediglich der Suche nach Zahngold.
Um den Todesort und das Datum zu verschleiern wurde als offizielles Todesdatum der 30. Mai 1942 und als Todesort Dachau angegeben.
Seine Lebensgefährtin Elfriede Bayer heiratete im Oktober 1945 den Grazer Zeugen Jehovas Leopold Pitteroff, der erst kurz zuvor nach 6 Jahren Haft in mehreren Konzentrationslagern nach Graz zurückgekommen war. Die beiden waren bis zum Tod von Leopold im Jahr 1966 verheiratet. Elfriede verstarb am 8.8.1988. Sie erfuhr offensichtlich nie, dass Eduard in Hartheim umgebracht wurde. Er war 44 Jahre alt.

Am Mittwoch, dem 27. September 2017 wurde an seinem letzten Wohnort in 8020 Graz Eggenberg, Weißenkircherstraße 35 ein Stolperstein verlegt.

 

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1) Lebensbericht von Olga Haring, 1971
2) Vgl Pepi Seiger: „Während dieser Zeit verhaftete man, nebst vielen anderen, auch Bruder Wohinz, einen Lehrer aus Graz, der später umgebracht wurde. Man sagte damals: “Die Köpfe müssen rollen”.
3) Anton Letonja in Erwachet vom 8.2.2003 „Mutter und ich ließen uns in dem österreichischen Dorf Gamlitz nieder. Da es in der Umgebung keine Versammlungen gab, besprach sie mit mir regelmäßig biblische Veröffentlichungen. Glücklicherweise kam zweimal im Monat Eduard Wohinz aus Graz zu uns hinausgeradelt, um uns im Glauben zu stärken — das waren pro Strecke fast 100 Kilometer! Zu Beginn der Schreckensherrschaft Hitlers ab 1938 wurde Bruder Wohinz verhaftet. Wir waren erschüttert, als wir erfuhren, dass man ihn in einem so genannten Euthanasie-Institut bei Linz vergast hatte. Sein außerordentlicher Glaube gab uns die Kraft, Jehova weiterhin treu zu dienen.“
4) Es ist anzunehmen, dass er wegen seiner illegalen Betätigung für die Zeugen Jehovas verhaftet wurde.

Quellen:
Meldekartei Graz
Archiv Dachau
OF-Akten Landesarchiv Steiermark: (405 Pi 98 Wohinz Eduard; Antragsteller Elfriede Pitteroff, Graz-Eggenberg, Lebensgefährtin (1930 bis zur Verhaftung)
Totenliste der Wachtturm Gesellschaft aus dem Jahr 1947
Archiv Jehovas Zeugen Deutschland: Fragebogen Elfriede Pitteroff ausgefüllt am 17.12.1945
Erwachet 8.2.2003
Zeitzeugen: Ernst Reiter, Anton Letonja, Olga Haring, Seiger Pepi, Friedericke Hack
Biografie Anton Spießberger: “Die Todesantzeige wurde aus Verschleiderungsgründen allerdings erst zwei Monate später ausgestellt und gab als Todesort Dachau an.)

Von |18. September 2017|Opferberichte|0 Kommentare

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