Wohlfahrt Franz

Familienfoto:
Rückwärts: Gregor jun., Franz, Ida, Vater Gregor sen., Mutter Barbara
Vorne: Anna, Willibald, Kristian

Geboren am: 18. Jänner 1920, Kärnten, Österreich
Wohnort: St. Martin/Techelsberg
Eltern: Vater: Gregor Wohlfahrt sen., geb. 10.3.1896, gest. 8.11.1939 enthauptet in Berlin-Plötzensee
Mutter: Barbara Struckl, geb. 20. Jänner 1898, gest. 13. Oktober 1996
5 Geschwister: Gregor, geb. 24.7.1921, Ida, geb. 3.4.1923, Kristian, geb. 11.10.1924, Anna, geb. 25.8.1926, Willibald, geb. 15.12.1927

 

Franz Wohlfahrt besuchte die Volksschule in St. Martin am Techelsberg zusammen mit Anton Uran.  Mit 16 Jahren begann er eine Malerlehre. Er wohnte bei seinem Meister und besuchte die Berufsschule.

Ein schon etwas älterer Priester, der vor der NS-Herrschaft aus Deutschland geflüchtet war, unterrichtete Religion in der Schule. Wenn die Schüler ihn mit “Heil Hitler!” grüßten, zeigte er sein Missfallen, indem er fragte: “Wo bleibt da bloß der Glaube?”

Franz nutzte die Gelegenheit und fragte ih, warum Katholiken Titel wie “Eure Eminenz” und “Heiliger Vater” benutzten, da doch Jesus sagte, alle seine Nachfolger seien Brüder. Der Priester gab zu, dass diese Gepflogenheit verkehrt sei. Er selbst habe Schwierigkeiten gehabt, da er sich gewigert haben, sich vor dem Bischof niederzubeugen und dessen Hand zu küssen.

Franz fragte weiter: “Wie kann es sein, dass die Kirche ihren Segen gibt, wenn Katholiken andere Katholiken töten?” Der Priester entgegnete: “Das ist eine wahre Schande! Das darf nie wieder passieren. Wir sind Christen und die Kirche sollte sich nicht in den Krieg einmischen.”

Dieser Priester war einer der wenigen, die sich weigerten, mit “Heil Hitler!” zu grüßen. Eine Woche später wurde er durch einen anderen Priester ersetzt. Als dieser ins Klassenzimmer trat, schlug er als erstes die Beine zusammen, hob den Arm und sagte: “Heil Hitler!”

Vater Gregor wies Franz darauf hin, wie wichtig es sei, eindeutig Stellung zu beziehen. 1939 ließ er sich als Zeuge Jehovas tuafen.

Einberufung zum Reichsarbeitsdienst

 

wurde wegen Wehrdienstverweigerung zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Über vier Jahre verbrachte er im Militärstrafgefangenenlager Rollwald in Rodgau/Dieburg (Siehe Wölbitsch 2000). Rehabilitation am 11.5.2004.

 

Quelle: Gerti Malle: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht.“ Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten. 2011 Kitab-Verlag Klagenfurt-Wien

Von |28. November 2016|Opferberichte|0 Kommentare

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