Mahnung an die Generationen
Judith Ribic, die jüngere Schwester von Ingrid Portenschlager, ist ebenfalls Zeitzeugin der 2. Generation. Auch sie macht es sich zur Aufgabe Jugendlichen von den Gräueltaten des NS-Regimes zu berichten und sagt über ihren Vater, der viereinhalb Jahre im Konzentrationslager Flossenbürg inhaftiert war: “Ich bin stolz, so einen Vater gehabt zu haben.” Sie begann 2013 mit der Zeitzeugentätigkeit an Schulen.
„Vielleicht fragt sich so mancher, was ich wohl über den 2. Weltkrieg, den ich ja gar nicht miterlebt habe, zu berichten hätte. Mein Vater war im Konzentrationslager. Warum er dort hingekommen ist, wie sich diese Zeit auf sein späteres Leben ausgewirkt hat und wie ich davon betroffen war, das möchte ich als Nachgeborene erzählen.
Meine beiden Schwestern und ich konnten lange nicht verstehen, warum wir so streng erzogen wurden. Wir merkten schon sehr früh, dass es in unserer Familie andere Werte und Vorstellungen gab. Da unser Vater nie über die Gründe seines Verhaltens gesprochen hat, fühlten wir uns in mancher Situation überfordert.
Ich sehe es als Verpflichtung meiner Generation an, diese Geschichte zu erzählen. Das Ziel sollte sein, zu mahnen und heute über die Vergangenheit zu reden, damit man für die Zukunft daraus lernt. Es gibt heute so viel rechtsradikales Denken und ich glaube die jungen Menschen sind sich nicht bewusst, was die damalige Zeit für die Menschen wirklich bedeutete. Überall, wo Menschenrechte missachtet werden, sollte man überdenken, zu welchen weitreichenden Folgen das führt.
Mein Vater hat damals nach biblischen Prinzipien gelebt. Er sagte immer: „Durch mich wird keine Frau Witwe und kein Kind Waise!“ Dadurch ist er mein Vorbild.
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